Eike ging dann auch zur Ruhe und dachte, sich abgespannt die Stirne streichend: Der Abend wäre also überstanden; hättest ihn angenehmer verleben können.
Eike diktierte dem noch nicht recht ausgeschlafenen Wilfred die andere Hälfte.
Am Morgen wurde die Schreibarbeit beizeiten wieder aufgenommen. Eike diktierte dem noch nicht recht ausgeschlafenen Wilfred die andere Hälfte des nur in vorläufigen Aufzeichnungen Niedergelegten, und das währte bis gegen Mittag, wo der schmetternde Hornruf des Türmers die Ankunft des Burgherrn meldete. Eike, um ihn zu empfangen, eilte aus dem Gemach, womit sich auch Wilfred als beurlaubt betrachtete, demgemäß er schleunig entwischte.
Mit beklommener Brust schritt Eike die Treppe hinunter, da er jetzt dem gegenüber treten sollte, mit dessen Gattin er das verhängnisvolle Erlebnis am Heidenquell gehabt hatte. Denn obschon dies nicht von ihm herbeigeführt war, fühlte er sich mit seiner verbotenen Liebe doch nicht frei von Schuld.
Graf Hoyer rief ihm schon vom Sattel aus zu: »Horrido, Eike! da bin ich wieder.«
Dann stieg er vom Pferde, und sie schüttelten sich die Hände. »Die Sache hat länger gedauert als ich dachte, habe einen harten Strauß mit durchfechten müssen,« begann der Graf und fügte gleich die Frage hinzu: »Was hast du denn neulich auf der Pirsch geschossen?«
»Ich war nicht auf der Pirsch,« erwiderte Eike.
»Nicht? aber du hattest doch, als ich mich hier von dir verabschiedete, die Armbrust auf dem Rücken, wie mir däuchte.«
»Nein, Herr Graf! da habt Ihr Euch getäuscht; ich wollte nur Luft schöpfen.«