Da brach Egenolf in helles Lachen aus. Nun ist das Räthsel gelöst, dachte er; seines herzschlächtigen Rappen wegen ist er den weiten Weg geritten, nicht zur Eroberung eines heißbegehrten Mädchenherzens, und wie habe ich mich mit der Ergründung seiner tief verborgenen Anschläge abgequält! »Der Isinger wird Dir einen schönen Bären aufgebunden haben,« konnte er zu sagen sich nicht enthalten.
»Fast glaub ich es selber,« erwiederte Bruno, in das Lachen des Freundes gutmüthig einstimmend.
Schmasman blieb sehr ernst und setzte seine Fragen fort: »Hast Du den Grafen Oswald gesprochen?«
»Gewiß! er hat mich auf der ganzen Burg herumgeführt, mir alle Vertheidigungswerke gezeigt und mir den besonderen Zweck jedes einzelnen erklärt.«
»Er hat Dir die Werke gezeigt?« sprach Schmasman höchst erstaunt. »Nun, Bruno, Dein dämpfiger Rappe war doch wohl nur ein Vorwand für Deinen Besuch, und wenn auch nicht in Deines Vaters ausdrücklichem Auftrag, so doch wohl auf seinen leisen Wink hast Du Dir vom Grafen Oswald die neuen Befestigungen so genau zeigen lassen; ich wundere mich nur, daß er's gethan hat.«
»Er hat sich ohne meinen Wunsch selbst dazu erboten.«
Schmasman starrte den vom Grafen Oswald so Bevorzugten an, als verstünde er das Alles nicht. Dann sagte er: »Du kannst also nun angeben, an welchen Stellen die Burg am ehesten zu berennen und zu erstürmen ist, wenn Dich Jemand danach fragen sollte?«
»Ich halte sie für uneinnehmbar,« erwiederte Bruno. »Aber, Herr Graf, wer denkt denn daran, die Hohkönigsburg zu erstürmen?«
»Dein Vater, Bruno!«
Bruno saß da, wie auf den Mund geschlagen; kaum brachte er hervor: »Mein Vater?«