»Ja, er hat mit dem Grafen Oswald einen harten Streit gehabt und will sich an ihm rächen, ihm zum Kampf mit Feuer und Schwert absagen. Ich glaubte, Du hättest ihm schon den Fehdebrief überbracht, als ich hörte, daß Du von der Hohkönigsburg kommst.«
»Davon hat mir mein Vater kein Wort gesagt; er weiß allerdings auch nicht, daß ich dahin geritten bin,« sprach Bruno erregt und erschrocken.
»Höre nur weiter! die Fehde ist beschlossene Sache; Dein Vater hat auch mich dazu beredet, und ich habe ihm meine Hilfe zugesagt. Aber nach reiflichem Erwägen und aus schwerwiegenden Gründen bin ich anderen Sinnes geworden, und wärest Du heute nicht hierher gekommen, so hätte ich morgen Deinen Vater meine Willensänderung wissen lassen. Nun bestelle Du ihm, daß ich von dem Fehdeplan gegen die Thiersteiner zurückträte.«
»Und wenn mich mein Vater nach Euren Gründen fragt?«
»Dann sage ihm –,« begann Schmasman mit auflodernder Heftigkeit, bezwang sich aber schnell und fuhr ruhiger fort: »Sage ihm, ich hielte einen Streit beim vollen Becher einer blutigen Fehde nicht werth.«
»Mit dieser Botschaft werde ich einen üblen Empfang zu Hause finden,« meinte Bruno besorgt.
»Was kannst Du dafür!« tröstete ihn Schmasman. »Aber vielleicht besinnt sich Dein Vater nun auch eines Besseren, wenn er hört, daß ich nicht mitthun will.«
Bruno schüttelte den Kopf und sprach: »Schwerlich; was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat, davon bringt ihn nichts in der Welt wieder ab.«
»O ich kenne ihn,« sagte Schmasman, »er wird wüthen gegen mich.«
Danach blieb es eine Zeit lang still in dem Kreise. Die Anderen hatten sich an dem Gespräch nicht betheiligt, auch Gräfin Herzelande nicht. Isabella, die von diesen Fährlichkeiten jetzt zum ersten Male hörte, empfand es schmerzlich, daß ihre Freundin Leontine und deren Eltern von so bitteren Feindseligkeiten bedroht waren. Bruno lag es bergeschwer auf der Brust, was ihn hier wie ein Blitz aus heiterm Himmel überstürzt hatte. Er sah den Ausbruch einer scharfen, vielleicht verhängnißvollen Zwietracht zwischen seinem Vater und dem Grafen von Rappoltstein voraus, die seine jung aufsprießenden Hoffnungen auf den einstigen Besitz Isabella's vernichten konnte. Aus seinem Besuch auf der Hohkönigsburg konnte sein Vater ihm keinen Vorwurf machen. Warum hatte Herr Burkhard ihm nicht Vertrauen geschenkt, ihn nicht in diese mißlichen Verhältnisse eingeweiht, wie dies Schmasman doch seinem Sohne gegenüber gethan haben mußte, denn Egenolf hatte sich von den bedauerlichen Neuigkeiten durchaus nicht überrascht gezeigt. Und doch war es Bruno lieb, daß er bis jetzt nichts davon gewußt hatte, denn dann hätte er nicht auf die Hohkönigsburg reiten und dort unvermuthet mit Isabella zusammentreffen können.