Die Anderen beharrten in ihrem Schweigen, und die Minuten schlichen stumm durch die endlose Zeit. Ein tiefer Athemzug, ein halb unterdrückter Seufzer waren die einzigen bemerkbaren Geräusche.

Plötzlich aber ließ sich vor dem Gemach ein Rauschen und Zischeln vernehmen; die Thür ward aufgestoßen, und Leontine kam hereingeschossen.

»Grüß Gott!« rief sie fröhlich, »da komm' ich gestoben wie der Wirbelwind über die Stoppeln. Ja, was thut ihr denn hier? sitzt da zu Vieren, und kein Laut ist zu hören? haltet ihr hier eine stille Andacht ab?«

»Jawohl,« lachte Imagina, die sich zuerst faßte und aufgesprungen war, »ich habe soeben gebetet, der Himmel möchte uns irgend ein kleines blaues Wunder bescheren, und nun haben wir's leibhaftig vor uns, und größer als ich's mir in meiner Bescheidenheit gewünscht habe.«

Leontine flog nun aus einem Arm in den andern, und Alle beherrschten sich so gut, daß die Ahnungslose von ihrer Bestürzung über dieses höchst seltsame Zusammentreffen nichts gewahr wurde.

»Ich kann Euch nicht sagen, wie willkommen Ihr mir seid, Leontine!« sprach Herzelande mit einer eigenthümlichen Bewegung im Tone. Ihr brachte Leontinens Erscheinen Erleichterung und Erlösung von marternder Pein, und es war ihr, als käme der Schutzgeist des Hauses Thierstein eilends dahergeschwebt, dem Unheil zu wehren, das sich vielleicht in dieser Stunde über dem Hause zusammenzog. Nun konnten doch unmöglich die Drei da oben Feindschaft gegen den Grafen Oswald beschließen, während seine Tochter vertrauensvoll als Gast unter Schmasmans Dache weilte.

»Du bleibst doch recht lange hier, hoff' ich,« sprach Isabella und hielt Leontinen umschlungen, als wollte sie die eben Gekommene nun auch so bald nicht wieder freigeben.

»Leider muß ich heut Abend wieder zurück,« erwiederte Leontine, »wir erwarten Besuch aus Straßburg, und da muß ich zu Hause sein.«

»Wie Schade!«