»Schmasman erwartet Dich oben, und Gott gebe euch einen guten Rath ein,« erinnerte Herzelande ihren Schwager, und dieser ging nun zu Dem, der seiner harrte.
»Könnt' ich nur dabei sein bei ihrer Berathung!« sprach Egenolf unwillig.
»Der Vater wird seine besonderen Gründe haben, daß er Dich nicht dazu aufgefordert hat,« meinte Herzelande.
Bald kam auch Graf Wilhelm an, aber ohne seine Gemahlin, und begab sich sofort hinauf zu seinen Brüdern.
»Mich werdet ihr hier nicht los, bis ich erfahre, was sie da oben ausgeheckt haben,« sprach Imagina und kauerte sich wie ein Kätzchen so recht behaglich in einen bequemen Lehnstuhl.
»Wenn sie's uns überhaupt anvertrauen,« warf Egenolf ein.
»Hm!« lächelte Imagina und sah ihn mit einem Blick an, der wohl sagen sollte: dafür laß mich sorgen.
Egenolf hätte sich am liebsten in den Sattel geschwungen und in einem scharfen Ritt seine Unruhe vertrieben, aber auch er wollte nicht von hinnen, ehe er wußte, wie die Entscheidung ausgefallen war, zumal er noch immer hoffte, daß nichts Feindliches gegen die Thiersteiner beschlossen wurde.
Eine Viertelstunde nach der anderen verging in banger Erwartung. Isabella schnürte die Angst die Kehle zu, daß es gegen die Rathsamhausen gehen könnte, und auch Herzelande ward es schwer, ihre innere Erregung vor den Andern zu verbergen. Nur Imagina behielt ihren Gleichmuth; sie blinzelte schläfrig mit den Augen, und ihr rothes Mündchen öffnete sich, so weit es konnte, zu einem lieblichen Gähnen, das sie mit der Hand zu verdecken suchte. »Kinder, ist das langweilig!« sagte sie dann, »Geduld ist meine starke Seite nicht.«