»Sieh da! die Herren Grafen alle drei beisammen!« rief Leontine sich erhebend. »Ihr staunt, mich hier zu sehen, und ich fürchte fast, ich bin in einen wichtigen Familienrath recht ungelegen und störend hineingeschneit.«

»Weder störend noch ungelegen, Gräfin Leontine!« erwiederte Schmasman freundlich und reichte ihr die Hand. »Wir waren nur nicht auf die Freude vorbereitet, einen so lieben Gast hier zu finden; seid willkommen!«

Auch Wilhelm und Kaspar begrüßten Leontinen mit ritterlicher Höflichkeit.

Vier Augenpaare bohrten sich mit forschenden Blicken in die Gesichter der drei Brüder, aber in ihnen war nichts von dem zu lesen, was sie beschlossen hatten und danach zu fragen wagte in Leontinens Gegenwart Niemand.

Graf Wilhelm verabschiedete sich, um zu seiner Gemahlin zurückzukehren. Kaspar aber und Imagina blieben zur Mittagstafel, an der man es sich so wohl sein ließ wie dies den auf die getroffene Entscheidung angstvoll Gespannten möglich war. Imagina und Leontine waren die Muntersten bei Tische, und Schmasman und Herzelande führten die Unterhaltung so ungezwungen und geschickt, daß Leontine von dem Banne, der auf Allen lag, nichts merkte.

Egenolf hatte sich Leontinen gegenüber gesetzt, aß und trank wenig und war ziemlich wortkarg. Seine Augen suchten die ihrigen, und sehr oft traf ihn ein schüchterner Blick von ihr, über den sie dann schnell die Wimpern senkte, aber doch nicht schnell genug, daß er den leuchtenden Blitz nicht gesehen hätte. Sie aber wußte sich das Gemisch von Sehnsucht und Sorge, mit dem er sie immer wieder und wieder anschaute, nicht zu deuten. Wovor bangte ihm? Konnte er denn noch in Ungewißheit sein, wie sie über ihn dachte, was sie tief im Herzen für ihn fühlte?

Die heimlich beobachtende Imagina hatte wohl erkannt, was da wie schwellende Knospen zum freudigen Aufblühen trieb und drängte, und nahm sich vor, den Beiden zu ihrem Glücke zu verhelfen, wobei sie auf Isabella's Beistand rechnen konnte.

Nachdem man vom Tische aufgestanden war, sagte sie zu ihrem Gatten: »Du hast wohl mit Schmasman noch Manches zu ordnen; wir gehen derweilen in den Wald, und ich treffe Dich später zu Hause.« Dann that sie noch eine leise Frage an ihn, auf die eine kurze, von Niemand sonst verstandene Antwort erfolgte.

Es kam auch so, wie Imagina vorgeschlagen hatte. Sie, Leontine und Isabella wandelten bald, von Egenolf begleitet, auf einem stillen Waldpfade, wo der Wind, im welkenden Laube raschelnd, sein wehmüthiges Herbstlied sang und bald hier, bald dort ein gelbes Blatt vom Zweige brach, das aus dem Wipfel lautlos zu Boden flatterte.