II.
»Seid willkommen auf der Hohkönigsburg, Ihr Herren und Frauen von Rappoltstein! ich grüße Euch als meine Standesgenossen und hoffe, daß ich mich guter Nachbarschaft von Euch zu versehen habe.« Mit diesen erhobenen Hauptes und in lautem Tone gesprochenen Worten empfing Graf Oswald von Thierstein die Eintretenden und reichte jedem derselben leicht die Hand. Dann wandte er sich um, winkte und rief in das Gemach hinein: »Margarethe! Leontine!«
Die Gerufenen, seine Gemahlin und seine Tochter, kamen herbei, und ihre Begrüßung der drei Rappoltstein'schen Damen war eine sehr herzliche. Sie drückten sich alle die Hände, schauten sich theilnahmsvoll prüfend in die Augen, und die Blicke von der einen wie von der anderen Seite bezeugten ein offenbares Wohlgefallen an einander.
»Verzeiht, Frau Gräfin Rappoltstein,« begann Gräfin Margarethe, »daß ich mit meiner Tochter noch nicht bei Euch war, aber in diesen zwei Wochen wußte ich wahrlich nicht –«
»Nur keine Entschuldigung, Gräfin Margarethe!« unterbrach sie Herzelande in der gewinnendsten Weise, »auch eine Schloßherrin ist in erster Reihe Hausfrau.«
»Ich danke Euch für Eure Nachsicht und werde das Versäumte nachholen; bald, sehr bald komme ich zu Euch.«
»Und sollt auf der Ulrichsburg mit offenen Armen empfangen werden.«