Inzwischen waren sie, bald auf einem Treppenabsatz anhaltend, bald gemächlich weiterschreitend, an das Löwenthor gekommen. Schmasman stutzte, als er des Heroldes dort ansichtig wurde, faßte ihn scharf ins Auge und begann: »Bist Du es wirklich, Ottfried Isinger, der in dem prächtigen Wappenrocke steckt?«
»Euer Gnaden zu dienen, Herr Graf!« antwortete Isinger, sich nochmals verneigend und hoch erfreut, daß ihn Schmasman erkannt und angeredet hatte.
»Ich habe Dich lange nicht gesehen und wußte nicht, daß Du mit hier oben bist. Was schaffst Du denn hier? spielst Du bloß Herold?«
»Nein, Herr Graf! ich bin Stallmeister auf der Hohkönigsburg.«
»Nu seh mal Einer an!« lächelte Schmasman. »Dann sagt mir doch, Herr Stallmeister: sind die Herren von Rathsamhausen schon eingetroffen?«
»Jawohl, Herr Graf!« erwiederte Isinger, »die Herren Burkhard und Philipp von Rathsamhausen mit dero Gemahlinnen und Junker Bruno sind bereits oben im Schloß.«
»Das freut mich zu hören,« sagte Schmasman, fast aufathmend, wie von einer Sorge befreit. – »Hat der Trotzkopf doch noch Vernunft angenommen,« flüsterte er Herzelande zu.
Sie schritten, von Isinger geleitet, durch den Eingang in den von hohen Gebäuden eingeschlossenen inneren Burghof, und hier wandte sich Imagina mit einem schelmischen Lächeln zu dem führenden Herold: »Herr Stallmeister, Euren Marstall müßt Ihr mir heute noch zeigen, ich habe soviel Pferdeverstand, daß ich einen Rappen von einem Schimmel unterscheiden kann.«
»Stehe jederzeit zu Befehl, gnädigste Frau Gräfin!« erwiederte Isinger ehrerbietig und begab sich zum Löwenthor zurück.
Die Herrschaften aber stiegen über die in einem Thurme befindliche Wendeltreppe zu den Festräumen des Palas empor.