»Ich?! nein, Du fürwitziges Weiblein!« lachte der Graf hell auf, »aber ich glaube, ich hätte sie haben können, wenn ich ernsthaft danach getrachtet hätte.«

»Und Du hättest keinen Neider gehabt,« fügte Herzelande mit einem innigen Blick auf ihren stattlichen, ritterlichen Gemahl hinzu.

»Wer weiß? aber laßt uns hier nicht länger stehen bleiben,« mahnte Schmasman, »ich höre neue Gäste anreiten.«

Sie stiegen langsam die Stufen hinan, doch nach einer kleinen Weile sagte Schmasman zu der neben ihm gehenden Herzelande: »Soll mich nur wundern, ob die Ottrotter heute kommen werden.«

»Du zweifelst daran?« fragte sie, wie erschrocken wieder stehen bleibend.

»Sicher bin ich nicht. Burkhard war wenig geneigt dazu, und ich habe ihm stark zureden müssen. Er fühlt sich durch die Art der Einladung verletzt, weil es Graf Oswald nicht der Mühe werth gehalten, ihm seinen Besuch zu machen, sondern nur seinen jüngeren Bruder Wilhelm geschickt hat, der einen etwas kühlen Empfang auf Schloß Rathsamhausen gefunden haben mag, wie ich aus Burkhards Reden schließen muß.«

»Ist das sein einziger Grund, heut auf der Hohkönigsburg nicht erscheinen zu wollen? Da könnten wir uns ja gleichfalls beklagen, denn wenn auch Graf Oswald bei uns auf der Ulrichsburg war, seine Frau und Tochter haben sich mir und Isabella nicht präsentirt, so nahe wir ihnen auch wohnen. Wir kennen die Damen noch gar nicht.«

»Das schadet ja nichts, Mutter« sprach hinter ihren Eltern Isabella. »Ich freue mich auf das Fest und werde mich mit der jungen Gräfin schon zu stellen wissen.«

»Sie haben auch in der kurzen Zeit, die sie hier sind, mehr zu thun gehabt als nach allen umliegenden Burgen zu reiten,« entschuldigte Herzelande selbst die ihr bisher noch Ferngebliebenen. »Wer wird denn unter diesen Umständen so empfindlich sein!«

»So denk' ich auch,« sagte Schmasman, »aber Du kennst doch unsern Freund Burkhard. Wenn der in übler Laune ist, ärgert ihn die Fliege an der Wand, daß ihm die Zornader schwillt. Ich bin sehr neugierig, ob er hier sein wird, und wenn nicht, so wird zwischen ihm und Thierstein wenig Liebe wachsen.«