»Mich verdrießt es,« erwiederte der Graf, »daß von Egenolf noch immer nichts zu sehen ist; er hätte heute pünktlich sein sollen.«

»Unser lieber Sohn wird schon nachkommen,« suchte die Gattin den Grollenden zu beruhigen. »Ich habe ihm sein Festgewand bereit legen lassen, daß er nur hineinzuschlüpfen braucht, wenn er vom Gejaide heimkehrt.«

»Schon den dritten Tag ist er von früh bis spät auf der Pirsch. Welches seltenen Wildes Fährte mag er so eifrig verfolgen, daß er Alles darüber vergißt?«

»Ei, laß ihn doch pirschen, Schwager!« sprach mit anmuthiger Gebärde Gräfin Imagina und streichelte dem Familienoberhaupte die bärtige Wange. »Das edle Waidwerk ist nun einmal Egenolfs größte Freude.«

»Die Freude gönn' ich ihm,« sagte der Graf, »aber heute mußte er Rücksicht nehmen. Die Thiersteiner werden denken, er früge nichts danach, bei dem Antrittsfest ihr Gast zu sein. Graf Oswald ist ohnehin mißtrauisch und wittert bald hier, bald dort einen Gegner und Neider.«

»Es fehlt ihm auch wohl an solchen nicht,« fiel Graf Kaspar ein.

»Mag sein,« antwortete der ältere Bruder. »Er hat keinen leichten Stand und wird noch um Gunst werben müssen, ehe es ihm gelingt, sich unter uns Alteingesessenen hier heimisch und beliebt zu machen, falls ihm überhaupt etwas daran gelegen ist.«

»Die Thiersteiner sind selber ein altes Rittergeschlecht,« sprach Gräfin Herzelande.

»Aber Eingewanderte, Schweizer, aus dem Aargau und ehemals Lehensträger der Baseler Bischöfe. Der hohen Clerisei verdanken sie zumeist den kaiserlichen Lehensbrief.«

»Schmasman, Du hast mit keinem Auge nach der Hohkönigsburg geschielt?« neckte ihn die allzeit muntere Imagina.