»Hat auch Ursach dazu als Schloßherr von Hohkönigsburg, aber so trotzig und starrköpfig wie Herr Burkhard ist er doch nicht. Das ist ein abenteuriger Mann und hat ein gar grimmig Gemüth; ich könnte euch mehr als ein verwegenes Stücklein von ihm erzählen.«

»O, unser Graf läßt nicht mit sich spaßen,« bemerkte Herni. »Wer ihm steifnackig entgegentritt, den weiß er zu ducken, wenn's nöthig ist.«

»Gewiß! aber in diesen letzten Tagen, wo ich viel mit ihm zu berathen hatte, wollte er mir garnicht gefallen. Er war unruhig, aufgeregt und schien sich auf das Bankett nicht recht zu freuen, als sorgte er um den Verlauf und das gute Gelingen.«

»Dann konnte er es ja unterlassen,« sagte Marx.

»Das ging nicht; er ist es sich und seiner Stellung schuldig, sich bei seinem Einzuge hier als Herr und Gebieter der mächtigsten Burg im Lande den anderen Edelleuten zu zeigen und ihnen seinen hohen Rang von vornherein klar zu machen. Begreifst Du das?«

»Hm! deßhalb! ja natürlich!«

Sie mußten das Gespräch abbrechen, denn jetzt nahte Seine Hochwürden der Abt von St. Pilt mit mehreren seiner Chorherren und einigen Chorknaben, die zur Weihe der Schloßkapelle geladen waren und von den Wachthabenden in schweigender Ehrfurcht gegrüßt wurden.

Es war Nachmittag. Die Sonne stand noch ziemlich hoch über dem Walde, der mit seinen alten, mächtigen Tannen, seinen Eichen und Buchen die Berge und Thäler unabsehbar bedeckte und aus dem sich, hell beleuchtet, die benachbarten Burgen erhoben. Den schroffen Gipfel zur Rechten hielt Hohrappoltstein wie eine Wacht besetzt, zur Linken funkelte die Frankenburg und weiterhin am steilen Bergeshang die Scherweiler Schlösser Ortenberg und Ramstein. Tief unten aber, gradaus ergoß sich weit und breit mit Städten und Dörfern und Rebengeländen das Ried, die fruchtbare Ebene zum Rheine hin, dessen Spiegel man bei Breisach blitzen und blinken sah. Jenseits des Stromes lagerte deutlich das Kaiserstuhlgebirge, und im Hintergrunde schimmerten langgezogen und wolkenhoch die Umrisse des Schwarzwaldes. Aber die äußerste Ferne war dunstig, und die Alpen, die bei ganz klarem Wetter ihre schneeigen Häupter über den Horizont emporrecken, waren nicht sichtbar.

So bot der Ausblick von hier oben ein herrliches Bild, und einer der Herren, die sich sammt ihren Damen soeben im Stallhof aus den Sätteln geschwungen hatten, schien es vom untersten Treppenabsatz über die Ringmauern hinweg so aufmerksam zu betrachten, als suchte er darin einen bestimmten Punkt. Es war der Graf Maximin, genannt Schmasman, von Rappoltstein, in dem Geschlecht der zweite seines Namens, der mit seiner Gemahlin Herzelande und seiner Tochter Isabella heraufgeritten war. Sie wohnten auf der St. Ulrichsburg über dem Städtchen Rappoltsweiler, und in ihrer Begleitung waren sein Bruder Kaspar und dessen noch junge Gemahlin Imagina, die von ihrem ganz nahe dabei befindlichen Felsenhorst Burg Giersberg den gleichen Weg mit ihnen hatten, während der dritte Bruder, der im Alter zwischen jenen beiden stand, Graf Wilhelm und seine Gemahlin von dem höher liegenden Hohrappoltstein noch fehlten oder vielleicht schon vor ihnen eingetroffen waren.

Gräfin Herzelande trat zu dem Umschauhaltenden heran und fragte: »Wonach spähst Du, Schmasman?«