»Hab ich auch schon gemerkt,« stimmte der Falkonier ihm zu. »Und wißt ihr, was ich glaube? – sie gönnen uns die schöne, große Burg nicht; manch Einer von ihnen hauste gern selber hier oben als hochmögender Herr und Landvogt im Wasigen.«
»Damit könntest Du Recht haben, Marx!« lachte Isinger. »Dieser und Jener mag auf das Lehen gehofft haben, denn keine von allen ihren Burgen ist so groß und stark wie diese außer Girbaden vielleicht, das den Müllenheim gehört. Aber unser Herr hat beim Kaiser einen Stein im Brett, denn er hat dem Haus Österreich gute Dienste geleistet, und Bischof Albrecht von Straßburg, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern, hat als sein Fürsprecher beim Habsburger eine gewichtige Stimme.«
»Wer waren denn die Letzten, die so hochnäsig vorübergingen?« fragte Herni. »Der Eine, der Gedrungene, Breitschultrige, sah Dich ganz übermeßlich an, Ottfried!«
»Ja, der kennt mich, und ich kenne ihn auch,« erwiederte der Stallmeister mit besonderem Nachdruck. »Es war Herr Burkhard von Rathsamhausen mit seiner Sippe, die auf den beiden Ottrotter Schlössern sitzen.«
»Aha!« machte Herni, »darum der böse Blick. Die haben auch einmal hier oben gesessen, vom Kaiser Wenzel mit der Burg belehnt. Es geht die Sage, ihrer sieben Rathsamhausen hätten sich einst, als sie hier die Herren waren, durch Handfeste unter einander gelobt und verpflichtet, daß kein Einziger etwas von seinem Besitz veräußern sollte ohne Willfahren aller Übrigen.«
»So? woher weißt Du denn das?«
»Hat mir unser Graf einmal auf einem Pirschgang erzählt.«
»Ja, dann wird es sie wohl wurmen, daß sie nicht wieder die Belehnten sind,« meinte Isinger, »denn die Rathsamhausen sind das stolzeste Geschlecht im ganzen Wasgau.«
»Stolz! Graf Oswald ist auch stolz, und das wahrhaftig nicht wenig,« sagte Marx.