»Ja, ich weiß es,« erwiederte sie mit einem mitleidigen Blick, »Fehde gegen Thierstein.«
Es traf ihn wie ein Schlag aufs Herz, aber er schwieg und verrieth, so lange Leontine noch blieb, mit keinem Wort und keiner Miene seinen verzweifelten Gemüthszustand, in dem er das Schicksal, das seiner Hoffnung holde Blüthen erbarmungslos niedertreten wollte, schon herankommen sah.
Bald brach Leontine auf. Als sie im Burghof schon zu Pferde saß, schüttelte ihr Egenolf noch einmal die Hand, und nicht die Lippen, aber die Augen beider sprachen: Auf Wiedersehen!
XV.
Nicht mit einem frohen, freien Herzen ritt Egenolf an dem bestimmten Tage durch den Wald, Leontinen entgegen, denn er befand sich auf diesem Wege in einer schweren Bedrängniß. Er hatte sie um das Stelldichein gebeten, bevor er wußte, was die drei Brüder Rappoltstein beschlossen hatten, und nun er dies von Imagina erfahren, konnte er sich auf die Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches, mit ihr einen Bund fürs Leben zu schließen, kaum noch Hoffnung machen.
Aber er durfte die ihn Erwartende nicht vergeblich seiner harren lassen, denn nach seinem bisherigen Benehmen gegen sie war er ihr eine Erklärung schuldig, oder er setzte sich in ihren Augen dem Verdacht aus, ein unverantwortliches Spiel mit ihr zu treiben.
Wenn er ihr nun heute, wie er sich vorgenommen hatte, seine Liebe gestand und sie nach der ihren fragte, so durfte er ihr als ehrlicher Mann nicht verschweigen, welche Schranke sich zwischen ihm und ihr aufbaute, und wenn er's ihr sagte, schob er selber den Riegel vor, der ihm ihren Besitz unnahbar verschloß, denn sie konnte sich unmöglich Einem zu eigen geben, der auf Seiten der Feinde ihres Vaters stand.