»Ungefähr so dacht' ich's mir,« erwiederte er. »Mir ist gestern eine unheilvolle Verkündigung zu Theil geworden, und zwar von einer Seite, von der ich's am wenigsten erwartet hätte, von Haschop.« Und nun erzählte er ihr ausführlich das Abenteuer mit der Zigeunerin und deren Prophezeiung.

Sie hörte ihm aufmerksam zu und sagte dann: »Das lautet allerdings schlimm genug.«

»Es bedrückt mich schwer, so sehr ich mich auch sträube, ihr jedes Wort zu glauben,« sprach er. »Aber da sie über Gegenwärtiges und Vergangenes die Wahrheit sagte, muß ich fürchten, sie kennt auch viel von dem, was die Zukunft birgt. Nun thu mir die Liebe und gieb mir Aufschluß über das, was Dir zu Ohren gekommen ist. Mein Vater kehrte gestern Mittag von einem weiten Ritt in froher Stimmung zurück. Ich vermuthe deßhalb, daß sich irgend etwas ihm Angenehmes ereignet hat, daß eine seine Wünschen entsprechende Wendung im Gange der Verhandlungen eingetreten ist, von der Du doch wahrscheinlich durch Ohm Kaspar unterrichtet bist, denn mein Vater war gestern Nachmittag hier bei euch.«

»Etwas Neues ist meines Wissens nicht vorgefallen,« erwiederte sie. »Burkhards Rüstungen gehen sehr langsam von Statten, weil er sie in großem Umfange betreibt und möglichst viel Bundesgenossen zu werben bemüht ist. Dein Vater und seine Brüder wollen sich allerdings an der Fehde gegen den Grafen Oswald betheiligen, aber nur zu dem Zwecke, durch Entfaltung einer gemeinsam aufziehenden ansehnlichen Kriegsmacht einen Druck auf ihn auszuüben, daß er sich zum Einlenken entschließt und von Einführung der beabsichtigten Maßregeln im Wasgau völlig absieht. Von einer Vertreibung der Thiersteiner aus der Hohkönigsburg ist keine Rede, denn Dein Vater hat den festen Willen, den Gelüsten des Herrn Burkhard entschieden entgegenzutreten.«

»Ich danke Dir herzlich für Deine Aufklärungen, die mich wenigstens meiner ärgsten Befürchtungen entheben und mir wieder einige Hoffnung einflößen,« sprach Egenolf. »Es ist freilich sehr die Frage, ob Graf Oswalds Stolz es zulassen wird, sich vorgeschriebenen Bedingungen zu unterwerfen, und ob auch in diesem Falle nicht eine dauernde Verstimmung und Zwietracht zwischen ihm und seinen ihn zum Nachgeben zwingenden Gegnern, also auch zwischen ihm und uns Rappoltsteinern zurückbleiben wird.«

»Ja, da heißt es nun abwarten, Egenolf.«

»Abwarten! ein schwacher Trost für die Sehnsucht!«

»Einen anderen habe ich nicht,« erwiederte sie. »Bedenke, daß meine Mittheilungen viel trostloser hätten ausfallen können.«

»O gewiß, gewiß! verzeihe mir! ich danke Dir nochmals,« sprach er und drückte ihr die Hand zum Abschied.

Leichteren Herzens, als er hinaufgestiegen war, schritt Egenolf von Schloß Giersberg wieder hinab, denn Imagina's Nachrichten waren doch von ziemlich beruhigender Art gewesen. Danach lief die bevorstehende Fehde mehr auf ein Drohen mit dem blanken Schwerte hinaus als auf ein blutiges Zuschlagen, und er kannte seinen Vater gut genug, daß dieser es nicht auf eine kränkende Demüthigung des Grafen Oswald anlegte, sondern ihm den Rückzug so leicht und ehrenvoll wie möglich machen würde.