Da war alle seine Hoffnung dahin, und tief niedergeschlagen frug er: »Was hindert sie denn, zu kommen?«

»Sie ist krank.«

»Krank?« rief er bestürzt, »was fehlt ihr denn? wovon ist sie denn krank geworden?«

Dimot zitterte und konnte nicht antworten; plötzlich schlug sie die Hände vor das Gesicht und fing laut an zu weinen.

Egenolf sprang vom Pferde, trat dicht an sie heran und sprach unruhvoll: »Was ist geschehen? rede, Mädchen! sage mir Alles!«

Es dauerte eine Weile, bis die Weinende hervorbrachte: »Meine Schuld! meine Schuld!«

»Deine Schuld? was hast Du denn gethan?«

Von Schluchzen oftmals unterbrochen erzählte Dimot nun: »Vor zwei Tagen kam Haschop, die Zigeunerin, mit der ich befreundet war, zu mir auf die Hohkönigsburg, weil ich sie eingeladen hatte, mich einmal zu besuchen. Sie sagte, sie hätte mir auch etwas mitgebracht. Sie wüßte genau, daß der Herr Graf sich um die Gunst der Gräfin Leontine bewürbe, und weil sie die schöne, junge Gräfin gern glücklich sehen möchte, hätte sie einen Liebestrank bereitet, der dem Herrn Grafen die Neigung meiner Herrin sichern würde. Sie sagte es nicht, aber sie deutete an, daß es mit Wissen und Willen, im Auftrage des Herrn Grafen geschähe, und gab mir eine ausgehöhlte, mit Wachs wieder zugeklebte welsche Nuß, in der sich ein Pulver befand. Davon sollte ich meiner Herrin an drei Abenden hinter einander einen halben Fingerhut voll in den Schlaftrunk thun; es wäre ganz geschmacklos, so daß sie nichts davon merken würde. In der besten Absicht, meine liebe junge Herrin, für die ich mein Leben lassen würde, zu ihrem Herzensglücke zu verhelfen, befolgte ich Haschops Weisung an demselben Abend noch. Aber schon in der Nacht erkrankte Gräfin Leontine heftig, und daran bin ich schuld, o mein Gott! mein Gott! hätte ich das geahnt!«

»Nur weiter, weiter!« drängte Egenolf.