»Farkas, – wenn sie wiederkommt, ist sie unrettbar des Todes,« rief Egenolf. »Jetzt sage mir noch, was für eine Botschaft von mir hat sie Dir vorgelogen?«
Darauf gab ihm Farkas den Bescheid: »Beim Weggehen sagte sie: soll Herrn Burkhard von Rathsamhausen bestellen, Graf Egenolf und Gräfin Leontine würden sich heirathen, wenn nischt dazwischen käme.«
»Nichts dazwischen käme! – ich weiß genug,« sprach Egenolf ergrimmt und schritt ohne Gruß hinaus.
Farkas blickte durch die Fensterluke dem Enteilenden nach, bis dieser im Gebüsch verschwunden war. Dann nahm er die Nuß mit dem Pulver wieder zur Hand, unterzog es noch einmal einer kurzen Prüfung und nickte vor sich hin: »Bilsenkrautwurzel und Tollkirschblätter; weiß wohl, wo sie's her hat, alte Großmutter hat sie's gelehrt. Schade um junge Gräfin, daß hat sterben müssen! war so schön und hat nit Schuld. Ihn, ihn hätt's treffen müssen, Messer ins Herz! is Zigeinerrecht, auf Liebesverrath steht Tod bei Mann und Weib. – Nun hinter Haschop her und sie warnen, darf nit wiederkommen, niemals, niemals.«
Egenolf ritt, seinen Rhenus treibend, nach der St. Ulrichsburg, übergab dort das dampfende Pferd einem Stallknecht und stürmte hinauf nach Schloß Giersberg zu Imagina.
»Imagina,« rief er ihr zu, da er sie wie das vorige Mal wieder allein fand, »Imagina, jetzt ist es mit dem Abwarten aus, jetzt heißt es handeln. Leontine ist erkrankt, die Zigeunerin hat ihr Gift beigebracht.«
»Alle guten Geister!« stieß die aufs Tiefste Erschrockene hervor, »Egenolf, was sagst Du da?«
»Was ich vor zwei Stunden von ihrer Zofe gehört habe.«
»Schwebt sie in Lebensgefahr?«