Oswald erbrach den Brief und las ihn vor:

Graf Oswald von Thierstein!

Ihr werdet Euch wissen zu erinnern, was für ehrvergessene Worte Ihr über mich als einen ehrlichen Reichsritter von Adel ausgegossen habt. Darauf gebe ich Euch zu vernehmen, daß ich Faust und Stärke genug habe, mich Eures bösen Willens zu erretten und den mir angethanen Schimpf gebührlich zu rächen. Wir, ich Burkhard von Rathsamhausen und meine guten und ritterlichen Gesellen, Graf Schaffried von Leiningen, Jost von Müllenheim, Eckbrecht von Dürkheim, Dietrich von Lützelstein, Henning von Landsberg und Klaus Zorn von Bulach, wir sagen Euch hiermit auf Gut und Blut ab und wollen mit Feuer und Schwert, mit Berennen und Stürmen Euch Schaden und Abbruch thun, wie wir nur wissen und können. Deß zur Urkund haben wir unsere Ingesiegel an diesen Brief gehenkt.

Nach der Vorlesung trat eine Stille ein. Dann sagte Schmasman: »Eine Überraschung ist es nicht für Euch, Graf Oswald, und wir wollen uns den Wein in den Pokalen damit nicht trüben lassen.«

»Nein, wahrlich nicht!« lachte Oswald. »Setzt Ottrotter Rothen auf! wir wollen, ehe wir sein eigenes vergießen, vorläufig von Herrn Burkhards Rebenblute trinken. Isinger, es wird fortgerüstet.«

»Darum hat auch Euer Tristan gewiehert, Herr Graf!« rief Isinger vergnügt, »und jetzt hole ich den Trumpeterhans herauf.« Damit entschwand er und kehrte bald mit Hans Loder zurück, der von den Rappoltsteinern mit lauten Zurufen begrüßt und auch von den Thiersteinern willkommen geheißen wurde.

»Schenkt dem Pfeiferkönig ein!« befahl Oswald.

»Laßt es mich thun!« bat Egenolf. Er füllte den ihm gebrachten Becher und hielt ihn Loder hin: »Komm her, Hans, und trink auf das Glück meiner Liebe; Du hast von Allen zuerst davon gewußt.«

Loder nahm den Becher und sprach, zum Brautpaar gewendet: »Die Pfeiferbruderschaft im ganzen Wasgau bringt Euch mit diesem Trunke ihre Glück- und Segenswünsche dar!«