»Nein, wir sind hier nicht sicher genug,« erwiederte Bruno. »Wir sind hier zu nahe bei Rathsamhausen, und dort dürfen sie nicht wissen, daß wir uns getroffen haben, was ihnen von hieraus leicht hinterbracht werden könnte. Laß uns nach Kloster Truttenhausen reiten; ich kenne den Prior, er wird uns gern eine kurze Rast gönnen, und wir sind dort ungestört und unbelauscht.«

Egenolf ließ sein Pferd vorführen. Sie saßen auf und trabten nach dem von Herrad von Landsberg gegründeten Kloster, das sie in kaum einer Viertelstunde erreichten.

In Truttenhausen wurden sie vom Prior Albertus freundlich aufgenommen und in das Refectorium geleitet, wo er ihnen guten Wein und einen Imbiß auftischen ließ. Nachdem er ihnen den Willkommstrunk dargebracht, zog er sich zurück, da er wohl merkte, daß die Beiden allein sein wollten.

»Du bist in Wehr und Waffen,« fing Bruno an, auf Egenolfs Harnisch deutend, »und ich kann Dir's wahrlich nicht verdenken, daß Du Dich für alle Fälle vorsiehst.«

»Wir werden uns, Gott sei's geklagt! bald schwerer bewaffnet begegnen,« sagte Egenolf. »Es ist traurig, daß unsere Väter, alte Freunde wie wir es sind und unter allen Umständen bleiben werden, gegen einander zu Felde ziehen, aber Dein Vater will die Fehde.«

»Leider ist es so,« seufzte Bruno. »Meine Mutter hat ihm unablässig mit Bitten und Flehen in den Ohren gelegen, Frieden zu halten, aber vergeblich. Er ist beständig in einer furchtbaren, krankhaften Erregung und will sich durchaus an dem Grafen Oswald blutig rächen.«

»Ach, Bruno, das steht ihm erst in zweiter Reihe,« sprach Egenolf. »Wir wissen, welches brennende Verlangen ihn zum Kampfe spornt; sein Ziel ist die Hohkönigsburg. Und wir können die Thiersteiner dabei nicht im Stich lassen. Du wirst erfahren haben, daß Leontine meine Verlobte ist.«

»O verzeihe, daß ich daran noch nicht dachte, und nimm meinen Glückwunsch von Herzen!« sagte Bruno und drückte dem Freunde die Hand.

»Ich danke Dir, und nun, Bruno, laß uns wie immer offen gegen einander sein. Ich weiß, was Dich bei dem unseligen Zwist unserer Väter am schwersten bedrückt. Du liebst meine Schwester Isabella.«