Auf der St. Ulrichsburg waren die übrigen Herren schon zur Berathung versammelt, hatten aber mit deren Beginn bis zur Ankunft des Letzten gewartet. Graf Oswald von Thierstein war sammt seinem Bruder Wilhelm von Allen aufs Freundlichste empfangen worden, und der ehemalige Zwiespalt war völlig vergessen, denn Alle waren von dem friedlichen Abkommen, das Schmasman in ihrer Aller Namen mit ihm getroffen hatte, genau unterrichtet. Auch Andlau begrüßte ihn jetzt rückhaltlos als Bundesgenossen.

Graf Wilhelm von Rappoltstein übernahm, von den Andern dazu aufgefordert, den Vorsitz im Rathe und hatte vor sich auf dem Tische einen Bogen Papier liegen, auf dem er mit einem Kohlenstift das Gelände, die Berge und Thäler, die Lage der Ortschaften und die Wege zeichnen wollte.

Er begann: »Liebe Herren! unsere Streitkräfte sind, wie ihr Alle wißt, in den benachbarten Städten und Burgen ringsum so vertheilt, daß wir dem zweifellos nahe bevorstehenden feindlichen Angriff überall begegnen können. Schwerlich wird Burkhard daran denken, vor der Hohkönigsburg lagerhaftig zu werden, und ebenso unersprießlich wäre meines Erachtens unserseits die Absicht, die sehr starken Ottrotter Schlösser Rathsamhausen und Lützelburg zu bestürmen; ich wenigstens würde mit aller Entschiedenheit davon abrathen. Bleibt also nur übrig, dem Feinde entgegenzuziehen und ihm die offene Feldschlacht anzubieten. Dabei fragt es sich, auf welchem Wege er herankommen wird. Ich sehe da nur zwei Wege. Entweder kommen die Rathsamhausen mit ihren Verbündeten über Barr, Eichhofen, Dambach, oder sie kommen über Barr, Eichhofen, hinter Ittersweiler um den Ungersberg herum nach Thannweiler und das Weilerthal herab. Seht hier! so meine ich, daß sich auf die eine oder die andere Weise ihr Anmarsch vollführen wird.«

Er zeichnete die Wege auf das Papier, während sich die Anderen über den Tisch beugten und den Weisungen seines Stiftes aufmerksam folgten. Darüber erhoben sich nun eingehende Erörterungen, in denen die von einander abweichenden Meinungen verfochten und begründet wurden.

Graf Wilhelm hielt mit seiner eigenen Ansicht noch zurück und ließ die Anderen streiten ohne sich einzumischen, bis die Minderheit von der Mehrheit überzeugt wurde, daß der zuletzt genannte Weg der wahrscheinlichere wäre, d. h. daß der Feind über Thannweiler durch das Weilerthal anrücken würde.

»Das ist auch meine Meinung,« nahm Graf Wilhelm wieder das Wort, »denn dieser Weg hat vor dem anderen viel voraus. Unsere Kundschafter, die Spielleute, werden uns schnell genug benachrichtigen, und ihre Meldungen werden bestätigen, daß ich Recht habe. In der fast sicheren Voraussetzung also, daß die Rathsamhausen durch das Weilerthal kommen, schlag ich euch folgenden Plan vor. Ihr Thiersteiner geht ihnen durch die Gebirgsschluchten über Kestenholz in das Weilerthal entgegen. Fleckenstein, Kageneck und Hattstadt schließen sich euch zwischen Scherweiler und Kestenholz an, und ihr zusammen haltet den Feind möglichst lange fest, daß er nicht aus dem Thale heraus kann. Wir Rappoltsteiner ziehen mit Andlau durch das Strengbachthal über Markirch in das Leberthal und über Leberau in das Weilerthal und fassen den Feind von hinten. Dann sitzt er zwischen euch und uns eingekeilt in der Mitte, kann weder vor- noch rückwärts und ist rettungslos verloren.«

Diesem Schlachtplane stimmten Alle unter voller Anerkennung seiner gut durchdachten Ausführbarkeit ungetheilt zu und sahen sich schon als Sieger, vorläufig allerdings erst auf dem Papiere, wo ihnen der Führer des Wortes jetzt auch die Angriffswege gezeichnet hatte.

Graf Wilhelm fuhr fort: »Das Wichtigste, liebe Freunde, ist, daß wir den rechten Zeitpunkt nicht verpassen, daß wir nicht zu früh und nicht zu spät ausrücken und uns vom Anmarsch der Rathsamhausen nicht etwan überraschen lassen. Von Deinem Schloß Ortenberg, Kageneck, blickt man in die beiden Thäler tief hinein, und ich wollte wohl sagen, daß von Deinem Thurm uns Allen sichtbare Fahnenzeichen gegeben werden könnten, sobald die Vorhut des Feindes dort bemerkt wird. Aber das genügt mir nicht, dadurch würde zuviel Zeit, uns zu sammeln, verloren gehen. Wir müssen überall auf den Wegen zwischen unseren Lagern berittene Wachtposten in nicht zu weiten Entfernungen von einander aufstellen, die windschnell die Kunde vom Nahen des Feindes zurückbefördern. Ja, ich schlage vor, daß wir Tags über fortwährend unter Waffen und vollständig gerüstet mit unseren Reisigen bleiben, um jeden Augenblick bei der Hand zu sein.«

Auch diese Vorschläge fanden einstimmige Annahme. Dann wurde noch für die Rappoltstein'sche Streitmacht Graf Wilhelm und für die Thierstein'sche Friedrich von Fleckenstein zum Oberbefehlshaber ernannt.

Damit war der Kriegsrath zu Ende. Die Herren wollten nach einer flüchtigen Begrüßung der Rappoltstein'schen Damen die St. Ulrichsburg sofort wieder verlassen, um in den nöthigen Anordnungen nur ja nichts zu versäumen, und Schmasman versuchte unter diesen Umständen auch nicht, seine Gäste und Bundesgenossen länger bei sich zu halten. So ritten sie denn mitsammen ab. –