Der junge Kesselflicker lag noch immer auf der Lauer am Wege, aber jetzt ohne auch nur zum Schein noch zu arbeiten und an einer anderen Stelle als vorher, höher hinauf im Walde und mehr durch Gesträuch gedeckt, wo er weniger gesehen werden und besser hören konnte, was die zurückkehrenden Herren etwa unter einander reden würden.
Als sie an ihm vorüber kamen, hörte er Hermann von Hattstadt zu dem neben ihm reitenden Johann von Kageneck sagen: »Ich glaube nicht, daß sie vor vier, fünf Tagen kommen.« Kageneck antwortete: »So denk' ich auch, und es ist ganz in meinem Sinne, daß wir ihnen entgegenziehen und ihnen die Feldschlacht bieten.« Mehr konnte der Lauscher vor dem Schnauben und Hufgetrappel der Pferde nicht verstehen.
Sobald die Reiter außer Sicht waren, sprach er zu sich: »Also vier Tage dünken die sich noch sicher. Nun Beine in die Hand nehmen und laufen, laufen, daß ihnen schon in zwei Tagen auf Hals kommen.« Eine gute Weile blieb er in seinem Versteck noch liegen; dann kroch er, den beschädigten Topf wegwerfend, daraus hervor und wollte sich auf den Heimweg machen.
Da hörte er den Berg herunterkommende Schritte. Er lugte behutsam um einen Baumstamm und erkannte in dem Nahenden zu seinem Schrecken den Grafen Egenolf. Was jetzt thun? fliehen oder bleiben? Zwei Möglichkeiten schossen ihm durch den Kopf, wie dieses unerwünschte Wiedersehen enden konnte, und rasch entschlossen ging er dem allein Daherwandelnden entgegen.
Als beide zusammentrafen, redete der bergan Steigende mit soviel wie möglich verstellter Sprechweise den Herabkommenden an und fragte: »Verzeiht, Herr! geht es hier hinauf zur Ulrichsburg?«
Egenolf, in seinen Gedanken mit weit abliegenden Dingen beschäftigt, gab, ohne sich den Frager recht anzusehen, kurz zur Antwort: »Ja; was willst Du dort?«
»Armer Kesselflicker findet da vielleicht Arbeit.«
Egenolf lachte: »Auf der Ulrichsburg werden wohl Kessel und Töpfe zerbeult und zerbrochen, aber nicht wieder geflickt.«
»Will's doch versuchen, Herr. Ist's noch weit hinauf zur Burg? bin müde, möchte dort oben ruhen und rasten.«
Dem Grafen klang aus der Stimme des jungen Kesselflickers etwas ins Ohr, das ihn seltsam berührte wie eine fern auftauchende Erinnerung. »Wo kommst Du her?« frug er, den halb Vermummten nun aufmerksamer betrachtend.