»Habe keine Heimstatt, Herr, muß wandern und wandern, mein Brod zu verdienen.«

Immer mehr fühlte sich Egenolf von dieser Stimme betroffen, und gespannt frug er: »Bursch, wo haben wir uns schon gesehen?«

Da riß der Gesell die Mütze vom Kopf und das Tuch vom Gesicht, wischte sich damit schnell den Ruß von der Wange und lachte: »Kennt mich Graf Egenolf jetzt?«

Egenolf starrte den ihm keck Gegenüberstehenden eine Sekunde lang sprachlos an, bis er zornbebend losbrach: »Haschop! – Du – Du wagst es, meine Wege zu kreuzen?«

»Haschop wagt es,« sprach das verkleidete Mädchen zutraulich.

»Weißt Du nicht, Unglückliche, daß ich Dir den Tod geschworen habe, wo ich Dich finde?«

»Hat mir Vater gesagt, glaub's aber nicht. Graf Egenolf mordet seine Haschop nicht,« erwiederte sie mit einem innigen Blick.

»Ich thu's!« rief er in gärender Wuth und machte eine Bewegung, als wollte er sich auf sie stürzen, die, ihn fest im Auge behaltend, sich nicht von der Stelle rührte. »Wolltest Du doch die Gräfin Leontine ermorden, Giftmischerin!«

»Nein, o nein!« entgegnete sie rasch, »war kein Gift, wollte schöne, stolze Gräfin nur lützel erschrecken zum Entgelt für Peitschenhieb vom Pferd herab. Und – Ihr wißt nicht, wie's thut, verlassen werden von Einem, der vormals –«