Graf Oswald besann sich nicht lange, was er antworten sollte, als ihm einige Tage später die unerwartete Ankunft Josts von Müllenheim gemeldet wurde, der durch Isinger anfragen ließ, ob ihm der Herr Graf eine Besprechung unter vier Augen mit Burkhard verstatten wolle.

»Führe Herrn von Müllenheim zu mir herauf,« befahl er dem Stallmeister.

»Soll ich das Löwenthor hinter ihm schließen lassen?« frug Isinger.

»Nein, ich gewähre dem Ritter freies Geleit ein und aus. Sag' ihm das!« erwiederte der Graf.

Müllenheim hatte sich in seinem Vertrauen zu Oswalds ritterlicher Gesinnung nicht getäuscht, als er sich davor sicher glaubte, daß dieser ihn als noch unbefriedeten Gegner festhalten und einlegen könnte.

Oswald empfing ihn höflich wie einen Gast mit der zuvorkommenden Anrede: »Die Erfüllung Eures Wunsches ist selbstverständlich, Herr von Müllenheim, in der Voraussetzung, daß Ihr mit Herrn von Rathsamhausen nicht neue feindliche Pläne gegen mich schmieden wollt.«

»Keineswegs will ich das, Herr Graf!« versicherte Müllenheim. »Das Gegentheil davon ist die Veranlassung meines Erscheinens hier.«

»Desto angenehmer ist mir Euer Besuch,« sprach Oswald. »Darf ich Euch zu meinem wenig umgänglichen Gefangenen führen? ich werde Euch mit ihm allein lassen.«

Müllenheim verbeugte sich dankend und sagte: »Vorher nur noch ein Wort zur Aufklärung! Wisset, Herr Graf: erst nach dem Gefecht haben wir von Eurem Vergleich mit Maximin von Rappoltstein Kunde erhalten.«

»Graf Maximin hat ihn Euch verschwiegen?« frug Oswald verwundert.