Als die noch Unsichtbaren ihr Stück beendet hatten, rief Graf Oswald hinauf: »Wer seid ihr Spielleute? zeigt euch!«

Da erschienen oben auf dem Altan Hans Loder und Seppele von Ottrott, die Günstlinge der Rappoltstein'schen und Rathsamhausen'schen Familien, und hinter ihnen als Dritter der Thierstein'sche Vertrauensmann, Ottfried Isinger, der die beiden Anderen da hinaufgeführt hatte.

Isinger, der von Herni erfahren hatte, was im Werke war, hatte schnell Hans Loder eingeladen, das oben im Palas stattfindende Versöhnungsfest bei ihm in der Schmiede mitzufeiern. Loder aber hatte durch einen äußerst glücklichen Zufall seinen Freund Seppele mit der Laute getroffen und ihn beredet, mitzukommen, mitzutrinken und den Herrschaften bei der Tafel ein Stücklein aufzuspielen, zu welchem Zwecke er auch seine Trumpete mitgenommen hatte.

Die Gesellschaft unten im Saale rief und winkte den Spielleuten da oben Beifall zu und forderte sie auf, noch eins zum Besten zu geben, was sie, auf dem Altan stehen bleibend, auch thaten.

Nun endlich sollten die großen, schönen Pokale zur Geltung kommen und wurden mit dem edelsten Rappoltsweiler Zahnacker gefüllt.

Da erhob sich Schmasman von seinem Sitz und sprach: »Liebe Freunde allzumal! ich bin der Älteste hier, darum ergreife ich das Wort, um bei diesem duftigen Wasgenwein der Ursach zu gedenken, die uns hier so fröhlich zusammengeführt hat. Es ist der zwischen uns aus Herzensgrund geschlossene Friede, den wir nach altem deutschen Brauch mit einem festlichen Trunke beglaubigen und besiegeln wollen. Fortan wird Eintracht unter uns walten, durch alte Bande der Freundschaft gestützt, durch neue Gelübde der Liebe gestärkt und durch Wort und Handschlag gefestet. Kommt ein Sturm über den Wasgau daher, so werden wir ihn Schulter an Schulter bestehen, und Jeder von uns wird wissen, daß er Bundsbrüder und Freunde hat, die ihn in Gefahr und Noth nimmer verlassen. Mögen wir und unsre Lehnsleute, unsere Burgen, unsere Wälder und Felder und Rebengelände vor allem Unheil gnädig bewahrt bleiben! Und diesem alten, so glänzend wieder auferbauten Schlosse Hohkönigsburg das von zwei mächtigen deutschen Kaisergeschlechtern, den Hohenstaufen und den Habsburgern, nach einander beherrscht und behütet ist, dem wünsche ich eine lang dauernde, ruhmreiche Zukunft und seinen Lehnsträgern ein kräftiges, fröhliches Blühen und Gedeihen bis in die spätesten kommenden Zeiten. Fest wie die Mauern und Thürme der Hohkönigsburg stehe das Glück der Thiersteiner, weit sichtbar im Lande wie das flatternde Banner auf dem Bergfried mit den sieben rothen Rauten im goldenen Felde, und unantastbar wie ihr ehrenblanker Wappenschild beschirme sie der dreimal gesegnete Friede! Der stolzen, herrlichen Hohkönigsburg weihe ich diesen Trunk!«

An der ganzen Tafelrunde klangen die Pokale zusammen, Hände schüttelten sich, Heil- und Segensrufe ertönten, und oben auf dem Altan schmetterte der Pfeiferkönig Hans Loder mit seiner Trumpete darein, und Seppele von Ottrott ließ dazu die Saiten seiner Laute schwirren und rauschen, während Isinger, seine Kappe schwenkend, wie besessen schrie: »Thierstein, Rappoltstein, Rathsamhausen! Rathsamhausen, Thierstein, Rappoltstein!«

Die Strahlen der Abendsonne vergoldeten die ragenden Zinnen der Hohkönigsburg und bis zum Rheine hin leuchtend thronte sie auf ihrem mächtigen Berge über dem friedlich ruhenden Wasgau.