Sie waren jetzt an den Weg gelangt, der rechts ansteigend in das enge, schattige Dusenbachthal führte. Hier wollte Loder umkehren, als sie vom Walde her hallende Schritte vernahmen. »Wer kommt da?« frug er.

Syfritz beugte sich vor und spähte durch die Bäume. »Es ist der junge Graf Egenolf von Rappoltstein,« sagte er.

Da blieben sie stehen, bis der Herabkommende nahte.

»Grüß Gott, Hans!« rief Egenolf, sobald er den Pfeiferkönig erkannte. »Zu Dir wollt' ich eben; hast Du ein wenig Zeit für mich?«

»Immer, Herr Graf, Tag und Nacht, nach Eurem Willen und Gefallen,« erwiederte Loder, »und wenn Ihr zur Stadt wollt, so haben wir einen Weg, ich gehe auch zurück.«

»Und, Syfritz, Du?« wandte sich der Graf an diesen.

»Ich muß zur Kapelle, Euer Gnaden,« antwortete der Spielmann.

»So sprich ein Vaterunser für mich mit, ich kann's brauchen,« sagte Egenolf, und dann zu Loder: »Komm, Hans! ich habe einen Auftrag für Dich.«

Die Beiden gingen langsam nach Rappoltsweiler zu, während Syfritz das Dusenbachthal bergan schritt.

Vorerst sprachen sie beide nicht. Loder war zwar gespannt, von welcher Art der Auftrag sein mochte, den der junge Herr für ihn im Anschlag hatte, wartete indessen geduldig, bis dieser damit losdrücken würde. Egenolf aber zögerte mit seiner Eröffnung und schien darüber nachzusinnen, wie er den Alten füglich in sein Vorhaben einweihen sollte. Endlich fing er an: »Hans, Du bist, seit ich denken kann, mein Vertrauter, mein väterlicher Freund und Beschützer gewesen, und ich verdanke Dir viel. Du hast mich auf Deinen Knieen und auf Deinen Schultern reiten lassen, hast mich die Vögel und die Blumen und Kräuter des Waldes kennen gelehrt, mir das Blasen und Fiedeln beigebracht, hast mir manchen guten Rath gegeben, mich von dummen Streichen zurückgehalten oder, wenn ich sie schon begangen hatte, sie wieder wett zu machen gesucht. Heute möchte ich Dich um Deinen Beistand angehen zur Ausführung einer von mir geplanten Überraschung, an deren Gelingen mir sehr viel gelegen ist, die aber – durchaus verschwiegen und geheim bleiben muß.« Er stockte, als wüßte er nicht weiter oder wagte sich nicht damit heraus.