»Das glaub' ich, bist ja viel herumgekommen im Lande, hast gar vielen Herren gedient, aber bei keinem lange ausgehalten, wie die Rede geht,« meinte Loder.
»Was sollt' ich machen? Einer spannte mich dem Andern bald wieder aus mit immer besseren Anerbietungen, denn ich kam in großen Ruf durch die Erfolge, die ich überall aufzuweisen hatte,« flunkerte der seiner Behauptung nach vielbegehrte Kurschmied. »Aber meinem jetzigen gnädigen Grafen lasse ich mich nicht mehr abspenstig machen, denn so gut wie hier habe ich es nirgend gehabt. Siehst Du, da kommt auch schon der Wein, den ich für uns bestellt hatte. Gieb her, Wighelm!« sagte er zu dem mit einem Steinkrug und zwei Zinnbechern zurückkehrenden Knecht, »und nun laß das Hämmern in der Schmiede, damit hier Einer des Anderen Wort hören kann; geh zu Herni, ob er vielleicht Bolzen zu schärfen hat.«
Dann füllte er die Becher, stieß mit seinem alten Freunde an und sagte: »Zum Willkomm, Hans!«
»Allen Dank, Ottfried!« that ihm Loder Bescheid, und sie tranken.
»Du sprachst vorhin von Deiner jungen Gräfin,« nahm Loder das Wort, »sage mal, wie – wie ist sie denn so im Allgemeinen und im Besonderen?«
»Im Besonderen ist sie ein Mädchen von ausbündiger Schönheit und klug, o sehr klug, und im Allgemeinen haben wir sie Alle gern; ich stehe sehr gut mit ihr,« berichtete Isinger. »Und reiten kann sie Dir, daß es eine Art hat; meine Schule, Hans, meine Schule! solltest sie einmal über einen Graben oder eine Hecke setzen sehen. Aber sie reitet immer allein, will Keinen mitnehmen, nicht einmal mich, hat's freilich auch nicht nöthig, denn Furcht kennt sie nicht.«
»So! hat sie denn auch ein gutes Herz?«
»Ja, das hat sie, das ist ihr nicht abzusprechen, aber weich und weibisch ist sie nicht, ist eine echte Thierstein, die sind Alle nicht von schwächlicher Art.«
»So! hat sich denn noch kein Freier um sie beworben?«