Isinger zuckte mit den Achseln. »Weiß ich nicht; die nimmt auch nicht den Ersten, Besten, hat vielleicht schon Manchen durch den Korb fallen lassen, denn zu jung zum Heirathen ist sie nicht mehr. Hast Du vielleicht Einen für sie in Vorschlag, Hans, und willst Dir einen Kuppelpelz um sie verdienen?«

»Einen Pelz hab ich allerdings mitgebracht, aber der ist für sie selber bestimmt« lachte Loder, griff nach seinem Bündel und begann es mit einer feierlichen Umständlichkeit aufzuschnüren. »Sieh mal hier!« sprach er, als er damit zu Stande gekommen war, »dieses schöne Wolfsfell soll ich ihr als Geschenk vor ihr Bett unter die Füße schaffen, und ich hoffe, Du wirst mir dabei behilflich sein, daß es sicher und unbemerkt in ihren Besitz gelangt, denn es darf sonst Niemand davon wissen.«

»Donner und Hagel! ein mächtiger Kerl!« rief Isinger staunend aus, das Fell lang und breit entfaltend. »Aber was hat denn das zu bedeuten? als wessen Bote kommst Du denn mit dem Prachtstück? – Ja, das muß ich wissen, wenn ich mich damit beladen soll,« fuhr er fort, als der Andere die Frage nicht auf der Stelle beantwortete.

»Nun denn, unser junger Graf Egenolf schickt es der Gräfin – wie heißt sie doch gleich?«

»Leontine.«

»Also der Gräfin Leontine; er mag ihr wohl versprochen haben, einen Wolf zu schießen; vielleicht haben sie gar darum gewettet.«

»Und Gräfin Leontine hätte die Wette gewonnen; natürlich! Die gewinnt immer, wenn sie wettet und wagt,« lachte Isinger. »Nun, das geht mich nichts an; Dir zu Liebe nehme ich es auf mich, ihr das Geschenk zu übermitteln, und ich weiß auch schon, wie ich das anfange. Ich werde es der Dimot, ihrer schmucken Gürtelmagd, geben, der ich auch schon Manches zu Gefallen gethan habe; die mag dann zusehen, wie sie es ihrer jungen Herrin heimlich zusteckt oder es ihr ins Schlafzimmer legt.«

»Gut! sage dem schmucken Ehrenwadel, wenn sie das geschickt fertig brächte, wäre sie hiermit zum Pfeifertag nach Rappoltsweiler von mir eingeladen, da könnte sie einmal tüchtig tanzen. Und Du kommst auch, Ottfried, und bist dort mein Gast.«

»Für unser tanzlustiges Hofkätzchen will ich allenfalls zusagen,« erwiederte Isinger, »aber ich selbst werde hier schwerlich abkommen können. Denn wenn die Herrschaften alle, wie ich schon gehört habe, zu eurem Feste gehen, so ruht allein auf meinen Schultern die Obhut der ganzen Burg mit voller Verantwortung im Großen und im Kleinen,« fügte er wichtigthuend hinzu. Dann nahm er das Wolfsfell, um es wieder in das Tuch zu wickeln.