Die schlaue Zofe lächelte ganz spitzbübisch jetzt und sagte dann mit fast flüsterndem Tone, als hätten die Wände hier Ohren: »Falls sich gnädige Gräfin etwa bei dem Herrn Grafen für das schöne Geschenk bedanken wollten, – der Weg, auf dem der Wolf hierher gekommen ist, wäre auch für den Dank ganz heimlich und sicher.«
»Wirklich? meinst Du?« lachte Leontine, »nun, den Dank wollen wir uns erst noch überlegen, Dimot. Was für ein Botenbrot hat Dir denn die Schmuggelei eingebracht, wenn Du mir's gestehen willst?«
»Daß ich am Pfeiferfest in Rappoltsweiler tanzen kann, wenn gnädige Gräfin mir Urlaub geben.«
»Den sollst Du haben, Mädchen! ich gehe selber hin und werde Dich mitnehmen,« erwiederte Leontine, »aber –« sie legte den Finger auf den Mund ohne noch ein Wort hinzuzusetzen.
»O gnädigste Gräfin!« lächelte Dimot verschmitzt, »ich ließe mir ja eher –«
»Schon gut! schon gut! jetzt geh und laß mich allein!«
Die Zofe wünschte der Herrin eine geruhsame Nacht und angenehme Träume und verschwand aus dem Gemach.
Leontine las Egenolfs Brief noch einmal und las ihn auch zum dritten Male. Er lautete:
Ein zu jedem Ritter- oder Knechtsdienst bereitwilliger, treu ergebener Waidmann legt der holdseligen Waldfee seine Jagdbeute ehrerbietigst unter die Füße und bittet, ihm in Zukunft Alles aufs Wort zu glauben, was immer auch er früher oder später ihr einmal zu sagen haben möge.
Danach saß sie noch ein Weilchen gedankenvoll auf dem Bett, streichelte, liebkoste förmlich den zottigen, weichen Pelz mit ihren bloßen Füßen, vergrub sie ganz darin. Den Brief aber legte sie unter ihr Kopfkissen. Dann vergegenwärtigte sie sich im Liegen ihre Begegnung mit Egenolf im Walde bis auf alle Einzelnheiten, und mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen versank sie allmählich in das Reich der Träume.