Leontine blickte die Zitternde forschend an; ihr schien eine Ahnung aufzudämmern. »Vom Pfeiferkönig? ist das nicht ein König von Rappoltstein'schen Gnaden?«

»Ich glaube, ja,« lächelte Dimot, obwohl ihr bei dem Verhör nicht ganz wohl zu Muthe war. »Fühlt es nur einmal an, gnädige Gräfin! es ist so schön dick und weich,« kam es schon etwas dreister von ihr heraus.

Leontine beugte sich nieder und strich mit der Hand über das dichte, graue Haar. »Du hast Recht, ein prächtiger Pelz! ein Wolf ist es, Dimot!« Dann ging sie, es beschauend, ganz um das Fell herum. »Was hat er denn da im Rachen?« fragte sie.

»Wo, meint Ihr? im Rachen?«

»Thu nur nicht so, als ob Du nichts davon wüßtest! Gieb mal her den Zettel!« befahl Leontine ungeduldig, »oder fürchtest Du, daß Dich der Wolf mit seinen großen, weißen Zähnen noch beißen könnte?«

»Ach nein, gnädige Gräfin!« erwiederte die immer lächelnde Zofe, bückte sich und reichte ihrer Herrin Egenolfs Brieflein, das Leontine hastig nahm, sofort erbrach und zu lesen begann.

Gott sei Dank! dachte Dimot, jetzt ist's überstanden und Alles in Rück und Schick; was nachkommt, habe ich nicht zu verantworten. Sie sah, wie Leontinens Hand, die den Brief hielt, leise bebte und ihre Brust sich rascher hob und senkte.

»Dimot,« fragte Leontine nach dem Lesen, »weiß sonst noch Jemand davon?«

»Keine Menschenseele, gnädige Gräfin!«

»Gut! so schweigst Du auch, wenn auch kein groß Geheimniß dabei ist,« sprach Leontine. »Graf Egenolf von Rappoltstein schickt mir das Fell, weil ich's ihm neulich nicht glauben wollte, daß er einen Wolf geschossen hätte; nun liefert er mir hier den Beweis. Das ist Alles, was in dem Briefe drin steht.«