»Eben darum!« sprach Herzelande, »aber ich habe noch einen anderen Zweck dabei. Neulich beim Pfeiferfest lobte mir Gräfin Margarethe den Gürtel, den ich Abends in der Halle trug; er schien ihr ausnehmend zu gefallen. Da ich nun noch einen ähnlichen habe, beschloß ich, den anderen der Gräfin zum Geschenk anzubieten. Aber ich möchte das nicht auf die lange Bank schieben; ich habe von Deinem Vater einmal ein lateinisches Sprichwort gehört, das er mir übersetzte: Doppelt giebt, wer schnell giebt. Darum wünsche ich, daß Du ihn der Gräfin heute bringst. Sieh mal! dieser ist es, ein Erbkleinod meiner lieben Mutter, alte Burgunder Arbeit, wie man sie heut zu Tage nur noch sehr selten findet; ist er nicht schön?« fragte sie, den Gürtel von dunkelrothem Sammet mit reicher Goldstickerei vor den bewundernden Augen der Tochter entrollend.

»Herrlich! wie wird sich Gräfin Margarethe darüber freuen!«

»Das hoffe ich; sage ihr, ich bäte sie, den Gürtel als eine kleine Liebesgabe von mir anzunehmen und ihn recht oft zur freundlichen Erinnerung an mich zu tragen. Wenn Du willst und sie Dich dazu auffordern, kannst Du bis übermorgen bei Leontinen bleiben.«

»Ich danke Dir, liebe Mutter, daß Du mich zur Überbringerin des werthvollen Geschenkes machst,« sprach Isabella. »Gleich nach dem Mittagsmahl werde ich mich zu dem Ritt bereit halten. Einer von den Knechten geleitet mich wohl, oder vielleicht Egenolf –?«

»Nein, Egenolf will mit dem Vater pirschen, Du nimmst Dir einen Knecht mit.«

Als etwas später Isabella zum Burghof hinabstieg, um sich Pferd und Geleitsmann zu sichern, traf sie dort ihren Bruder.

»Egenolf,« redete sie ihn an, »hast Du vielleicht auf der Hohkönigsburg etwas auszurichten? ich reite heute Nachmittag hinauf.«

»Du reitest zur Hohkönigsburg hinauf? soso! sieh mal an!« sagte Egenolf, den Erstaunten spielend. »Nun dann bestelle nur dort oben einen recht herzlichen Gruß von mir.«

»Gern, aber an wen denn?« fragte sie mit einem schalkhaften Lächeln.