Barth. Nun, Harlekin, so sollten Sie sich auch weisen lassen. Kolombine führet Sie gewiß keinen unbekannten Weg.
Kolombine. O nein! Ich dachte es eben so zu machen wie die selige Mama.
Barth. Wie ich meine selige Frau heirathete, folgte ich ihr blindlings, und unsere Ehe würde nicht so gesegnet gewesen seyn, wenn ich minder folgsam gewesen wäre. Sie war allzeit fertig mich zu unterweisen, und ihr Exempel that bisweilen die besten Dienste. Oft war mir ihr Unterricht sehr ungelegen; aber das war, der Himmel weiß, ihre Schuld nicht.
Harl. Das Schlimmste sind meine Scrupel; und ich begreife noch nicht, Herr Barthold, wie solche durch unsre Comödie werden gehoben werden. Stellt Kolombine die Braut gut vor, so werde ich denken: sie versteht ihre Rolle; und stellt sie solche nicht gut vor, so werde ich denken, sie versteht noch eine Rolle. Und der Himmel weiß, ob sie nicht noch eine dritte versteht. Es ist doch schlimm, daß man das Ding nicht auf die Goldwage bringen kann.
Barth. Die beste Goldwage ist ein gutes Vertrauen; wer das nicht hat, der ist schon wirklich betrogen; und wer es hat, der ißt seinen Salat, schluckt eine Schnecke mit hinunter, und findet ihn noch schmackhafter.
Harl. Ich mögte darauf Ihr Gast nicht seyn. Wer heiraten will, muß nicht Blinde-Kuh spielen, sondern wohl zusehen was er greift.
Kolombine. Oho! Herr Harlekin! itzt verstehe ich das Ding mit der Goldwage. Auf ein Paar Aeßchen können Sie gewiß rechnen, die ich schon verloren habe. Denn der Schneider hat mir gar kein Eisen in meine neue Schnürbrust gemacht. Indeß, da die Comödie aus ist, habe ich die Ehre mich Ihren Scrupeln zu empfehlen.
Barth. Ich meyne es auch so. Beschlafen Sie die Sache! Ein guter Traum ist im Heirathen oft die beste Entscheidung.
(Sie gehn Beyde ab.)