Harl. Wenn eine Nuß leicht aus der Hülse fällt, ist sie denn auch wohl schon vom Wurme gestochen?
Barth. Ist das eine Frage für eine klugen Mann? Die Wurmstichigen sitzen allemal fest in der Hülse.
Harl. Ach, Herr Barthold, sollte sie es nicht schon wohl versuchet haben?
Barth. Sie mag versucht haben was sie will, so hat sie allzeit nur ihre Rolle gespielet. Ein Mädchen auf der Bühne muß oft verliebt thun, oft küssen, oft lachen, und was dergleichen mehr ist. Das bringt aber die Comödie so mit sich. Wenn Kolombine die verschmitzte Buhlerinn vorstellt, so würde es sich ja nicht schicken, daß sie die Mine einer Matrone behielte. Wie oft hat sie nicht auch geweint! Meynen Sie aber, daß sie um deswillen, sie zu Hause gekommen, immer betrübt gewesen?
Harl. Ich habe allzeit gehört, die Unschuld soll so etwas Süßes, so etwas Körnichtes, so etwas von der braunen Kruste seyn, daß ich nicht gern eine Frau nehmen mögte, welche diesen Leckerbissen bereits verschenket hätte.
Barth. O mein lieber Harlekin, sind Sie da verbrannt: so rathe ich Ihnen gar keine Frau--anders als meine Kolombine zu nehmen.
Harl. Aber sehen Sie einmal Selbst, Herr Barthold, alle diese schönen Herrn, welche hier vor unsrer Bühne sitzen. Ihre Augen scheinen meinem lieben Kolombinchen das Mark aus den Knochen zu ziehen; und wenn sie tanzt; ach, wenn sie tanzt: so--so--tanzen alle Herzen mit ihr.
Barth. Sollten sie das wohl thun?
Harl. Wenn sie es nicht thäten, so mögte ich Kolombinchen nicht; und nun, da sie es thun, so traue ich Kolombinchen nicht recht. Denen Mädchen, die so hoch springen wenn sie tanzen, kann leicht ein Blümchen entfallen; und wenn das auch nicht wäre: so rühmt sich doch ein jeder, vielleicht selten mit Recht, daß er eines aufgenommen habe. Herr Barthold, Herr Barthold! eine hübsche Comödiantinn ist wohl selten, selten, selten eine Kirsche woran nicht schon ein Vogel gebissen hat.
Barth. Possen! es ist kein hübsches Mädchen in der Welt, wovon man nicht eben diese Vermuthung hat. Nicht, weil sie geschwinder Feuer fängt, als eine andere, sondern weil sie Tag und Nacht verfolgt und also leicht einmal im Schlummer überrumpelt wird. Wer sich aber daran stößt, der mag zu seiner Strafe eine Häßliche nehmen, und versichert seyn daß sie vor dem ersten Loche gefangen werde. Sie wird die Ehre, das Glück und das Vergnügen, in ihrem sterblichen Leben auch einmal angebetet zu werden, so verliebt erkennen; sie wird so besorgt seyn den Vogel nicht zu verscheuchen; sie wird so bange seyn, die einzige Gelegenheit zu verlieren; sie wird so fertig seyn, ihre vergängliche Waare an den Mann zu bringen, daß ich nicht Eines auf sie, aber wohl hundert auf ein hübsches Mädchen verwetten wollte, das die Wahl unter tausend Käufern hat. Und dann, mein lieber Harlekin, ist es eine bestialische Sache, eine garstige Hexe und doch keine braune Kruste zu bekommen. Für Kolombinen will ich allenfalls Bürge seyn.