Im September konnten wir auf dem Viktoriasee dafür den Spieß umkehren. Unser kleiner Dampfer »Muansa« von vierundzwanzig Tonnen, also nicht viel größer ungefähr als die Barkasse eines Großkampfschiffes, griff den englischen Dampfer »Sybell« an, der hundertfünfzig Soldaten und mehrere Geschütze an der Karungabucht landen wollte. Wir hatten die »Muansa« durch eine kleine Kanone zum Hilfskreuzer umgebaut. Ihre Granaten fegten als Volltreffer in die »Sybell« hinein. Eine Zeitlang wehrte sie sich, dann aber dampfte sie schleunigst nach Norden ab. Die Engländer hatten es anscheinend auf die Zerstörung unserer Funkenstation in Muansa abgesehen gehabt.

Auf dem Tanganjikasee arbeitete unsere »Flotte« im Verbande mit den Truppen in glänzender Weise. Die Belgier hatten am Südende des Sees unsere dortigen Stellungen angegriffen. Es war britisches Gebiet, wohin wir vorgedrungen waren. Anscheinend hatte der Gegner mit der zufälligen Ab- – – –[1] und »Kingani« gerechnet. Die »Hedwig« war der erste Dampfer auf dem See gewesen und schon 1900 da, die »Kingani«, die früher als Zollkreuzer an der Küste fuhr, hatten wir als Verstärkung zu Beginn des Krieges mit der Bahn hingebracht. Es waren also nur kleine Dinger. Eben als die Geschichte im schönsten Gang war, kam die »Hedwig« wieder zurück, grade zur rechten Zeit, um noch kräftig einzugreifen. Sie versenkte einen englischen Dampfer und sprengte einen anderen, der zur Reparatur auf Land gezogen war.

Zu Lande hatten wir inzwischen zahlreiche weitere Erfolge. Besonders übel erging es den Belgiern, die am Kiwusee vorgedrungen waren. Anfang Oktober waren sie in Stärke von vier Kompagnien herangekommen; sie erlitten schwere Verluste und mußten zurück. Ein anderer Posten wieder ergab sich nach einhalbstündigem Gefecht. Die Belgier haben sich nur Niederlagen geholt, wo immer sie es auch später noch versuchten. Genau so erging es den Engländern, die von Rhodesien her zwischen Tanganjika- und Nyassasee vorzudringen suchten. Anfang 1915 hatten wir auch im Norden bei Jassini einen schönen Erfolg, wo wir vier englische Kompagnien gefangen nahmen und ihnen außerdem noch einen Verlust von zweihundert Toten zufügen konnten.

Das sind nur einige Gefechte, die mir gerade so einfallen. In Wirklichkeit hört der Kampf an den Grenzen im Norden, Osten und Westen eigentlich nie auf. Ununterbrochen wird gekämpft, und Sie können sich kaum einen Begriff davon machen, mit welchem Heldenmut die Leute auf ihrem Posten ausharren, was für Taten da im stillen vollbracht wurden.

Mit was für einem Gegner wir es zu tun haben, das konnten wir gleich zu Beginn des Krieges bemerken. Völkerrecht und England sind Begriffe, die sich heute noch ebenso wenig vertragen wie seit jeher. Nur einige kleine Proben: Sie beschossen wiederholt ohne irgend welche Warnung oder Aufforderung zur Uebergabe offene Städte, wie Bagamojo und Kilwa, schreckten nicht einmal vor gemeinem Diebstahl zurück, plünderten und zerstörten verlassene Pflanzungen und enblödeten sich nicht, den armen Schwarzen ihr Geld und die paar Ziegen, die doch ihr ganzes Vermögen ausmachen, wegzunehmen.

Die Krone der Gemeinheit haben sie sich wohl in Daressalam geleistet. Am 21. Oktober beschoß ein englisches Kriegsschiff die im Creek liegenden deutschen Dampfer »Feldmarschall« und »König«, die dabei erheblich beschädigt wurden. Nun kam im November der Kreuzer »Fox«, um sich von der Betriebsunfähigkeit der beiden Schiffe zu überzeugen. Nach Abmachung mit dem stellvertretenden Gouverneur sollte nur eine englische Pinasse in den Hafen hineinfahren; statt dessen kamen sie mit drei Pinassen, die mit Maschinengewehren bewaffnet waren. Die eine legte im Hafen Bojen, die anderen gingen an den Dampfern längsseit, sprengten die Maschinen und führten die Besatzungen gefangen fort. Hinterher haben sie die offene Stadt, wiederholt sogar, mit 30,5 cm Granaten beschossen. Der Schaden war natürlich beträchtlich.

Nun stellen Sie sich mal diesen Kampf vor mit den wenigen Leuten, die wir zur Verfügung haben, mit den geringen Hilfsmitteln. Wer hat denn daran gedacht, daß der europäische Krieg nach Afrika übergreifen würde, daß man die Achtung vor den Europäern, die allein den wenigen ermöglicht, Millionen in Schach zu halten, so leichtsinnig aufs Spiel setzen würde? Mit unseren paar Menschen verteidigen wir ein Gebiet, das größer ist als Deutschland. Und über die ganze Grenze dringt von allen Seiten der Feind. Von Norden und Südwesten die Engländer, vom Westen die Belgier, die See ist blockiert, und im Süden dicht bei uns hier haben sich die Portugiesen endlich breitschlagen lassen, gegen uns vorzugehen. Sie sollen bereits Verstärkungen aus Europa erhalten haben. Das alles konnte uns nicht mürbe kriegen, uns nicht in die Enge treiben. So bietet England jetzt also noch die südafrikanischen Kolonien gegen uns auf, und wir haben bereits bestimmte Nachrichten, daß zwei Infanterie- und eine berittene Brigade, mit allen Hilfsmitteln des modernen Krieges ausgerüstet, sich im Norden sammeln.

Wir hielten und waren sicher, auch weiter gegen noch größere Übermacht zu halten. Von Tag zu Tag aber wurden unsere Vorräte geringer. Noch mehr als früher begannen wir mit der Munition zu sparen, weil wir uns sagten, daß jeder Schuß unbedingt ein Treffer sein müßte. Und dennoch war bald der Zeitpunkt abzusehen, an dem die letzte Patrone verschossen, an dem keine Granate mehr für die Geschütze vorhanden sein würde.

Vor einem Jahr hat uns der tüchtige Christiansen Luft geschafft. Jetzt aber, wo Sie da sind, sehen wir dem kommenden Kampfe mit neuem Vertrauen entgegen, und wenn wir heute mit Stolz sagen können, die beste und wertvollste Kolonie ist in unseren Händen, und wir haben die Möglichkeit, sie auch weiter noch zu verteidigen und so Gott will, auch uns zu erhalten, dann, Kapitän Sörensen, dürfen Sie einen großen Teil des Verdienstes für sich in Anspruch nehmen.«

[1] Anmerkung des Bearbeiters: Hier fehlt Text, der nicht mehr reproduziert werden kann.