Während der Engländer die Fahrt in über tausend Meter Tiefe antritt, ist »U 285« längst auf die Stelle zugejagt, wo die Granaten eingeschlagen waren. Nichts! ...

Kein Mensch kümmert sich um den versinkenden Dampfer. Zunächst gilt es die Kameraden zu retten. Auf Turm und Verdeck steht die Besatzung mit Rettungsringen und Bootshaken, um sofort, sobald sich etwas Lebendes zeigt, helfend eingreifen zu können. Vom beschossenen U-Boot aber ist nichts mehr zu sehen. Sollte die Vernichtung geglückt sein? Dann müßte doch wenigstens ein Ölfleck die Stelle des Unterganges verraten.

Unaufhörlich kreuzt »U 285« hin und her, um die verräterische glatte Stelle, das einzige untrügliche Zeichen, daß die Kameraden den Tod fanden, an der Oberfläche zu finden. Nichts ... Die Sache wird immer rätselhafter. Ist das Boot heil geblieben, und daraus läßt eben das Fehlen des Öls schließen, mußte es die Explosion des Torpedos vernommen haben und längst aufgetaucht sein, um sich davon zu überzeugen, was eigentlich geschehen ist.

Ein Ruf vom Vorschiff, eine nach rechts weisende Hand ... Ein dunkler Fleck ... Blut! Wie eine purpurne Wolke liegt es im Wasser, bald hier, bald da leuchten rubinartige Blitze unter dem feurigen Schimmer der Abendsonne auf. Unablässig zerrt die See an den Rändern und verteilt und vergrößert die unheimliche Stelle. Ratlos ruhen die Blicke auf der Oberfläche, verblüffte Gesichter starren einander an. Keine Schiffstrümmer, nichts, nicht das kleinste Anzeichen, das verriete, welcher Art das Opfer der englischen Granaten eigentlich war. Es gibt keine Lösung für dieses Rätsel.

Eben als »U 285« Fahrt aufnimmt und auf die Stelle zudreht, wo der Hilfskreuzer versackt ist, wird vom Turm aus nach einigen hundert Metern ein dunkler Körper gesichtet. Langgestreckt wiegt er in der leichten Dünung auf und ab. Nur wenig tauchen einzelne Stellen aus dem Wasser, leicht schäumend lecken die Wellen darüber hinweg ... das gekenterte U-Boot? ...

»Backbord zehn!« Vorsichtig hält das Boot auf den treibenden Gegenstand zu, dreht und stoppt dicht bei ihm.

Maßlos verblüffte Gesichter starren auf das Wasser ... fast unwirklich scheint, was ihre Augen dort sehen ... dann ein Gelächter, ein wieherndes Geheul, ein Springen und Tanzen, wie es in solch überschäumender Herzlichkeit sicherlich noch nicht auf einem U-Boot, das draußen am Feinde harten Vernichtungskrieg führt, erlebt wurde. Ein toter Walfisch!

Armes Biest! Es hat sein Leben lassen müssen, weil es sich unterfing, in den Augen der Königlich Großbritannischen Marine einem deutschen U-Boot ähneln zu wollen. Mußte es sich aber auch gerade im Sperrgebiet herumtreiben, wo englische Kaltblütigkeit überall Gespenster sieht! Und konnte doch nicht einmal den kleinsten Torpedo abfeuern. Mitten in den dicken Speckrücken hat ein Volltreffer eine erhebliche Lücke gerissen, aus der das warme Blut als Zeuge des englischen Waffenruhms sich ergoß.

Zu retten gibt es hier ebensowenig wie drüben, wo nur noch schwarzer Ruß auf dem Wasser und Bootstrümmer die Stelle verraten, an der der glorreiche Sieger mit Mann und Maus sank. –

In dunkler Nacht pendelt »U 285« auf der Dampferstraße dahin. In hellem Schimmer glänzt ein Stern nach dem andern auf, bis die See wie mit bläulichweißem Licht übergossen scheint. Tiefe Stille herrscht an Deck. Die Ereignisse des Tages, der so öde begonnen hatte, um dann doch noch einen so schönen Erfolg zu bringen, wirken bei jedem einzelnen nach. Die rötlichen Glühpünktchen der Zigarren und Zigaretten leuchten vom Turm und Oberdeck, die Luks sind geöffnet, leise und gleichförmig dringt das Rattern der Motoren aus dem Achterschiff.