In dieser Gegend aber ist äußerste Vorsicht am Platze. Zu oft schon hat englische Hinterlist, auf die Harmlosigkeit der Deutschen rechnend, die meuchlerischsten Überfälle gewagt. Traue einer dieser Bande!
Getaucht kommt »U 217« heran. Durch das Sehrohr wird der Bursche von allen Seiten beäugt. Kein Geschütz ist zu sehen, kein Lebewesen scheint an Bord; nur in tauend Meter Entfernung etwa die beiden Boote, die schleunigst dem Land zustreben. Um das Schicksal des Schiffes scheint sich kein Mensch drüben bekümmern zu wollen.
Zwischen der Besatzung, die sich immer weiter entfernt, und dem Schiff taucht »U 217« auf. Eben gibt der Kommandant den Befehl: »Sprenggruppe klarmachen«, als schmetternd an vier Stellen gleichzeitig auf dem harmlosen Tankdampfer die Reling außenbords herunterschlägt. Unmittelbar darauf spritzen aus den Öffnungen Feuerstrahlen auf, krachend fegen die Granaten heran ... in Turm und Oberdeck. U-Bootsfalle.
Instinktiv fast gellt schon beim Herunterklappen der Reling der Ruf »Schnelltauchen« in die Zentrale, und mit einem Satz springen die auf der Brücke Befindlichen durch den Lukdeckel in das Boot ... Mit dumpfem Schlage klappt er zu, Sekunden darauf steckt »U 217« die Nase weg. Noch einige Treffer dröhnen gegen die gepanzerte Turmwand, dann schließt sich das Wasser über dem Boot, zwölf Meter. In Sicherheit!
Hier können ihm die kleinkalibrigen Granaten der U-Bootsfalle nicht mehr gefährlich werden. Tatsächlich verstummt der Lärm der berstenden Granaten. Kaum aber ist das beruhigende Gefühl des Geborgenseins eingetreten, als ein Krach, wie wenn ein schwerer Hammer dröhnend gegen Eisen schlägt, und unmittelbar darauf ein zweiter an der Bordwand erklingt. Das Licht erlischt, einzelne Leute stürzen zu Boden und werden wirr durcheinander geschüttelt. Kommandos gellen durch die Räume, die in tiefem Dunkel liegen. Unverzüglich aber haben die Leute sich aufgerappelt und ihre Tauchstation eingenommen. Schon flammt auch der Schein der Reservebeleuchtung auf.
»Beschädigungen melden!«
An einigen Stellen werden Wassereinbrüche von Schußlöchern, die durch Granatsplitter verursacht sind, gemeldet; bedeutend unangenehmer aber sind die Störungen, die durch die Wasserbomben entstanden sind. Die beiden Boote müssen sofort, nachdem die Falle das Feuer eröffnete, verabredungsgemäß umgekehrt sein und zwei Bomben geschleudert haben. Die Akkumulatoren haben gelitten; besonders gefährlich scheint, daß die Tiefensteuerung nicht mehr einwandfrei arbeitet. Durch Gegenmaßnahmen, die so oft geübt sind, versucht die Besatzung das Boot unten zu halten – umsonst. Von Sekunde zu Sekunde wächst die Gefahr .... Es heißt hinauf um jeden Preis ... Zum Glück können die Tanks ausgeblasen werden.
In zweitausendfünfhundert Meter Entfernung von der U-Bootsfalle stößt der Turm über die Oberfläche empor. Im gleichen Augenblick aber fegen auch schon wieder die englischen Granaten ringsherum. Tauchen ist nicht mehr möglich, es heißt das Artilleriegefecht aufnehmen, den Kampf bis zum bitteren Ende auskämpfen.
Die Geschütze sind besetzt. Kaum ist die Entfernung eingestellt, als jetzt auch von »U 217« die ersten Geschosse hinübersausen und berstend einschlagen. Die Dieselmotoren arbeiten einwandfrei. Um sich möglichst aus dem Bereich der feindlichen Granaten zu bringen, läuft das Boot ab und vergrößert die Entfernung zwischen sich und dem Feinde.
Hinüber und herüber fegen die Geschosse. Der Dampfer trifft das verhältnismäßig kleine Ziel nicht mehr, um so besser aber funken die beiden Nummern Eins an den Geschützen in die hochragenden Bordwände hinein. Drüben muß es schon böse aussehen.