Während an Oberdeck ununterbrochen die Verschlüsse klirren und die Schüsse schnell aufeinander folgen, sind im Innern alle Hände fieberhaft tätig, die Schäden nach Möglichkeit zu beseitigen; das Dringendste ist das Dichten des Turmes, um die Zentrale, die durch Geschoßtreffer und die Wasserbomben am schwersten gelitten hat, wieder instand zu setzen. Tatsächlich gelingt es den vereinten Kräften auch, den Turm mit Bordmitteln wenigstens notdürftig abzudichten. Dann werden die übrigen Gefechtsstörungen je nach ihrer Wichtigkeit und soweit es hier eben angängig ist, beseitigt. Glücklicherweise ist von der Mannschaft niemand ausgefallen. Die glänzende Durchbildung der ganzen Besatzung macht sich bei dieser Arbeit geltend. Jeder weiß, daß es ums Leben geht, daß von der zuverlässigen Arbeit des Einzelnen das Schicksal des Bootes und damit sein eigenes abhängt. Nirgends eine Überstürzung oder ängstliches Hasten.
Etwa fünfzig Hektometer liegt der Tankdampfer ab, immer noch im Feuer des Bootes, das er mit seinen Geschützen aber nicht mehr erreichen kann, als plötzlich von Steuerbord Feuer auf »U 217« eröffnet wird. Ein neuer Feind!
Durch den Kanonendonner herbeigelockt, kommt ein Kleiner Kreuzer heran. Durch die beiden Schornsteine und die niedrige Form der Aufbauten entpuppt er sich als einer der während des Krieges neu erbauten Zerstörer der Foxglove-Klasse, ein Gegner, der deutschen U-Booten nicht ganz ungewohnt ist. Schon mehrere dieser Gattung haben daran glauben müssen. An Geschwindigkeit ist er den über Wasser fahrenden Booten nicht überlegen, bedeutend gefährlicher aber ist die Zahl seiner Geschütze. Allerdings scheint es mit seinen Schmeißbüchsen nicht weit her zu sein. Immer näher an ihn heran rücken die Geschoßaufschläge des U-Bootes. Durch Zickzackfahren versucht er auszuweichen ... umsonst. Schmetternd schlagen zwei Granaten bei ihm ein. Die Sache wird brenzlich, er bringt sich aus dem Bereich der gefährlichen Geschütze.
Mit Südkurs fährt »U 217« weiter. Allmählich kommt die U-Bootsfalle aus Sicht. Leider kann ihr und ihrer Besatzung der so reichlich verdiente Lohn nicht mehr werden. Eine Genugtuung aber haben die Deutschen: viel von der kostbaren Ladung bringen die nicht heim. Ununterbrochen strömt das Heizöl aus den zahlreichen Schußlöchern, und der Weg bis zum Hafen ist weit.
Tiefer sinkt im Westen die Sonne. Der Foxglove-Kreuzer hat dem U-Boot nachgedreht und kommt wieder heran. Scheint britischem Seemannsdünkel das klägliche Ausrücken vor dem kleinen Gegner doch zu jämmerlich? Freilich, die Deutschen sind auf der Hut. Auf siebzig Hektometer eröffnet der Engländer das Feuer ... er trifft nicht. Nach wenigen Minuten aber sitzt bei ihm ein deutscher Einschlag. Er hat genug. Schleunigst dreht er ab, gibt die Verfolgung auf und kommt mit einbrechender Dunkelheit aus Sicht.
Fast sechs Stunden hat die Besatzung ununterbrochen gearbeitet, an Erholung aber ist vorläufig nicht zu denken. Jetzt heißt es, das Boot unbelästigt vom Gegner so weit herzurichten, daß es wieder tauchfähig wird und den Marsch nach der Heimat, der durch die feindlichen Linien führt, antreten kann.
Tiefdunkel liegt die Nacht über dem Meere. Weitab nordwärts wischen Lichtstrahlen über die See, In regelmäßigem Abstand leuchten sie auf, verschwinden. Feindesland!
Kaum zwanzig Seemeilen ab stampft das kleine deutsche Boot gegen die lange Dünung des Ozeans an. Kein Lichtschimmer dringt nach außen, nichts verrät, daß hier deutsche Seeleute mit zusammengebissenen Zähnen arbeiten. Ein Wille nur beseelt sie alle: Der Morgen muß sie klar finden zu neuem Kampf.
Die Minenpest
»Mersey pilotboat just ahead!«