Geradezu drollig wirkt der Anblick der umkreisten Dampfer, deren Zahl sich inzwischen um drei weitere erhöht hat. Drüben fürchten sie offenbar, daß sich jeden Augenblick ein deutscher Torpedo in ihre Seite bohrt. Wenn nur erst die Fahrstraße abgesucht wäre! Die Zerstörer bilden wohl einige Sicherheit, erst im Hafen aber am Kai können sie sich wirklich geborgen fühlen.

Auf dem Führerschiff der Minensucher steigt nach einer Stunde das Signal hoch: »Einlaufen, Fahrstraße ist frei.« Einer nach dem andern setzen die Dampfer sich nach Land zu in Bewegung, als plötzlich vor dem Bug des zweiten Schiffes eine Sprengwolke hochgeht. Dampfpfeifen heulen, Anker rasseln in den Grund, mit voller Wucht jagen zwei Schiffe ineinander. Nach einigen Minuten kommen sie voneinander frei. Das eine mit eingedrücktem Bug, das andere mit schwerer Schlagseite nach Backbord überhängend. Das Verdeck des auf die Mine gelaufenen Dampfers taucht bereits unter Wasser, während am Heck die Schraube frei hinausragt. Zerstörer gehen längsseit und bergen die Besatzung. Ein fünftes Opfer der U-Bootsminen, dazu zwei havarierte Schiffe. Ein Erfolg, mit dem »U 310« wohl zufrieden sein kann.

Während in dunkler Nacht das deutsche Boot durch den St. Georgskanal die Irische See verläßt und der Kommandant in sein Tagebuch die Ereignisse der letzten Stunden einträgt, tritt der F. T.-Gast mit einem Zettel an ihn heran.

»Herr Kapitänleutnant! Soeben aufgefangener Funkspruch von Poldhu«:

»Liverpool und Belfast wegen Minengefahr für die Schiffahrt gesperrt.«

Der deutsche U-Boot-Walfisch

Lind und warm strahlt die Frühlingssonne vom wolkenlosen Himmel herunter. Ein leichter Südwind kräuselt die dunkelblauen Wasser der Biscaya, die so sanft und harmlos liegt, als wollte sie von ihrem wilden Stürmen und Toben in den Wintermonaten ausruhen.

Mit langsamer Fahrt zieht »U 285« mit Südkurs durch die spiegelglatte, sonnenflimmernde See dahin. Die Luks sind geöffnet. Alles, was dienstfrei ist, liegt langgestreckt auf Vor- und Achterdeck, um sich nach dem tagelangen Unterdeckbleiben einmal wieder gründlich auszulüften. Auf der Brücke haben Kommandant und leitender Ingenieur es sich, soweit es eben die Platzverhältnisse gestatten, bequem gemacht. Der Koch reicht durch die Zentrale eine Kanne duftenden Mokkas hinauf, und leichter Dampf der solange entbehrten Zigaretten wirbelt in die klare Luft. Auf dem Verdeck liegen drei Leute auf dem Bauch und dreschen einen handfesten Männerskat. Die mit Recht so beliebten Zuschauer um sie herum fehlen nicht. Eine Weile vernimmt man nichts weiter als das derbe Aufklatschen der reichlich geölten Karten auf das stählerne Deck, bis eine ernstliche Meinungsverschiedenheit entsteht, die sich in schwerkalibrigen Zärtlichkeiten Luft macht. Der Streit greift auf die aus ihrem süßen Mulsch Erwachten, die sich in der Nähe des Turmes niedergelassen haben, über und erreicht eben seinen Höhepunkt, als der Kommandant sich vermittelnd einmischt:

»Na, Jungs, ihr seid doch nicht Passagiere erster Klasse auf einem Reichspostdampfer, daß ihr hier so 'nen Krach schlagt, ihr vergrämt mir ja mit eurem Palawer die Engländer.«

Als hätte es nur dieses Zauberspruchs bedurft, so glätten sich die Wogen der Erregung, und ruhig und mit allen Schikanen klappert der Skat weiter.