Bin ich allzeit voll gewest!
Pirrheisa! So geht’s aus der Zeit
Hinüber in die Ewigkeit!“
Ich tat auch wie die andern, soff, bis mir Hören und Sehen verging, und stimmte mit ein in die gotteslästerlichen Lieder. — O Herr, erbarme dich! und vergilt mir nicht nach meiner Missetat!
Als wir um Mitternacht auseinander gingen und ich an mein Zelt kam, brannte noch Licht darin, und neben dem Lichte saß Olufsohn. Er hatte seine hellgeputzten Waffen neben sich liegen und las in einem Büchlein, so daß er schier mein Kommen überhörte. Als ich ihn fragte, was er da noch lese, erwiderte er: es seien ihm allerlei Gedanken gekommen von wegen des morgenden Tages, da hab er gebetet, auch hab er seiner Mutter gedacht, ob er wohl wieder heimkommen werde und ihr die Augen zudrücken, und da hab er zuletzt seinen Psalter vorgenommen und daraus gelesen.
„Da hättest du besser getan,“ sagte ich, „du wärest bei uns gewesen, statt daheim zu hocken! — Da hättest du auch einen tapfern Mut bekommen und könntest morgen ins Treffen gehen, wie zum Tanze; wahrlich, jetzt ist’s nicht gelegene Zeit, sich mit Beten und allerlei Gedanken das Herz schwer zu machen!“ — Er aber schüttelte den Kopf, sagte: er hoffe auch seine Schuldigkeit zu tun, und legte sich nieder, nachdem er mir eine gute Nacht gewünscht.
Folgenden Tags mußten wir schon um vier Uhr zu Pferde sein, und wurden in ein Gehölz postiert. Den ganzen Tag vorher und die Nacht hindurch war an einer Brücke über den Lech gearbeitet worden, und der König hatte den ganzen Tag über von Pech und andern rauchenden Materien einen großen Rauch machen lassen, daß der Feind es nicht gewahr würde. Die Pfeiler waren in den Strom gelassen, nur die Planken waren noch nicht alle, sondern etwa erst zur Hälfte gelegt worden, als es helle ward, und der Feind, welcher derweilen nähergerückt, es wahrnahm. Nun begannen die Bayrischen kreuzweise auf die Brücke zu schießen, und wir sahen die Soldaten, welche die Planken legten, haufenweise stürzen und in den Strom fallen. Auch begannen sie nun ein mörderische Schießen auf das Holz, in dem wir hielten, daß ein Krachen drin ward, als wenn tausend Holzhauer darin arbeiteten. Hie und da fiel ein Mann oder ein Pferd, oder ward von den fallenden Bäumen und Ästen getroffen; die Pferde schnaubten, stiegen und wollten ausreißen, aber der König hatte geboten, das Holz zu halten, bis die Brücke geschlagen sei.
Dort aber an der Brücke ging es je länger, je schrecklicher. Kaum hatte einer den Fuß auf die Brücke gesetzt, so ward er auch niedergeschossen. Es waren nur noch die drei letzten Planken zu legen, um die Brücke gangbar zu machen, aber nachdem schon an die sechzig Mann geblieben, traute sich keiner mehr hinzu, sondern wie sie die Brücke betraten und das Schießen wieder anging, wichen sie zurück und ließen die Planken in den Strom fallen. Da kam der Korporal geritten und rief, Seine Majestät lasse anfragen, ob nicht unter den Dragonern im Holz, die noch nichts getan hätten, einige wären, die freiwillig es ausrichten wollten? Es sollte jeder zwanzig Reichstaler bekommen, wenn ihnen das Werk gelänge, von dem nicht abgelassen werden dürfe! Es schrien alle, das sei ein schönes Geld, aber da müsse einer des Teufels sein, wenn er so dem Tod in den Rachen laufen wollte. — „Nun, wer hat Lust?“ fragte der Korporal wieder und lachte, „keiner?“
„Ich,“ sagte Olufsohn, „und ich auch!“ wiederholte einer von den Finnländern. Olufsohn, der neben mir gehalten, stieg ab und wollte mir sein Pferd zu halten geben; ich aber dachte: „Was du vermagst, vermag ich auch!“ sprang vom Pferde und sagte: „Ich bin der Dritte!“ So gingen wir an dem König vorüber, der uns freundlich zunickte, liefen mit den Planken unter mörderischem Schießen über die Brücke und machten sie fest. Als es geschehen, wollten wir uns so schnell als möglich davon machen, — da krachten wiederum die Stücke der Bayrischen, und der Finnländer stürzte, zum Tode getroffen, Olufsohn ward der Hut vom Kopf geschossen, ich aber blieb unversehrt. Nun mußte unser ganzes Regiment im vollen Jagen über die Brücke setzen, wobei viele das Leben verloren, zuerst der Korporal, dessen Pferd, von einem Schusse getroffen, sich aufbäumte und rücklings mit ihm in den Strom stürzte. „Nun kommt er ja naß und kalt genug in die Hölle, wie er gestern gemeint hat,“ sagte einer, der einen alten Groll auf ihn hatte, weil er sich gegen ihn zurückgesetzt meinte; Olufsohn aber sagte: „Gott sei der Seele gnädig!“ Von den übrigen ward hierauf die bayrische Schanze genommen. Hiemit entfiel dem Feinde der Mut und die Übergabe des Städtleins ist nun alsbald geschehen.