Ich und mancher Kamerad.

Volkslied.

So hatte nun mein Kriegsleben angefangen! Stolz hat’s begonnen, trübselig geendet, doch ’s ist so auch gut!

Herzliebe Eltern, nun bin ich ein wüster Geselle geworden, das sei Gott geklagt! Ich ward zusammengestellt mit einem Häuflein Rekruten, blutjungen Leuten, die teils aus Schweden, teils aus Finnland gekommen und unter die Dragoner treten sollten. Sie waren ehrlicher Leute Kind, zumeist Bauern- oder Fischerssöhne, die es noch zu halten pflegten wie jene ersten Schweden, die durch Sommerhausen gekommen und an denen Ihr so großes Wohlgefallen gehabt. Sie sangen am Morgen und am Abend ihr Lied und beteten bei Tische, und wurden darum von den andern verachtet und verspottet, als „verwunderliche Soldaten, die in den Himmel zu kommen gedächten“. Wir wurden Tag für Tag im Schießen, Reiten und Fechten miteinander geübt, wozu sie sich trefflich anstellten, sonst aber mochte ich mich nicht viel mit ihnen abgeben, wiewohl wir ein gemeinsames Quartier mitsammen in einer Mühle hatten. Einer unter ihnen, Olufsohn geheißen, mochte mich wohl leiden und tat mir manches zu Dienst und zulieb, ich aber lief lieber mit den andern wüsten Gesellen, die schon lange gedient hatten, nicht nach Gott und Menschen fragten, und mir allein rechte Kriegsleute zu sein schienen, fluchte, trank, spielte und raufte mit ihnen. Den Olufsohn, als er mich eines Tages davon abmahnen wollte, fragte ich, warum er denn ins Kriegslager gegangen, wenn er lieber ein Betbruder, denn ein Soldat sein wolle, und was er denn also für ein Glück zu machen gedenke. Er erwiderte: er sei nicht auf Abenteuer ausgezogen, sondern ihn habe seine alte Mutter gehen heißen, und seinem König streiten helfen, und er werde seine Schuldigkeit redlich tun und alles andere Gott überlassen. Da nun wohl viele unter uns waren, die ihren Eltern entlaufen, keine aber, die auf deren Rat und Willen gekommen, hatten die andern ihren Spott über ihn, weil er von seiner Mutter in den Krieg geschickt zu sein vorgab, fragten ihn, ob denn seine Frau Mutter doch auch das Breischüsselein nicht vergessen und ihm auch brav Milchpfennige mitgegeben habe, welche Spottreden er sich mit großer Gelassenheit gefallen ließ.

Nachdem des schwedischen Königs Sturm auf das Friedländische Lager abgeschlagen worden, zog er am 8. September 1632 nebst der ganzen Armee mit vollem Trommelschlag und Trompetenklang an dem Feinde vorüber nach Neustadt an der Aisch, ließ aber in Nürnberg fünftausend Mann zu Fuß und dreihundert zu Pferd zurück. Unter den letzten bin auch ich mit meinen oben erwähnten Kameraden geblieben. Dort ist nach dem Abzug des Königs — weil alles auf fünf und mehr Meilen Wegs verwüstet war — eine große Not entstanden, so daß wir manchmal an die vierzehn Tage keinen Bissen Brots genossen, daraus wiederum entstand die Ruhr und das hitzige Fieber, und das Lazarett ist dermaßen mit unsern kranken Soldaten überhäuft gewesen, daß man die Toten im Hof wie Holz aufeinander gelegt, bis man Zeit hatte, eine Grube zu machen und sie darein zu werfen. Ich bin stets bei guter Gesundheit gewesen, hab aber dem gütigen Gott schlechten Dank dafür bezahlt!

Als endlich die Friedländischen auch davongezogen, ging uns Befehl zu, dem König zu folgen, der wieder auf Donauwörth zu gezogen. Dort bin ich bei Rain am Lech zum erstenmal ins Feuer gekommen. Selbiges Städtlein hatte der König mit stürmender Hand schon im Frühjahr genommen, wobei der Graf von Tilly sein Leben gelassen, aber vor vier Tagen hatte der Oberst Mütschefall es wieder an die Bayrischen übergeben, weswegen der König ihn nachgehends vor das General-Kriegsrecht hat stellen und in Neuburg an der Donau öffentlich hat enthaupten lassen. Etliche Regimenter waren schon im Frühjahr mit dabei gewesen, und allgemein ging die Sprache, es werde ein hart Stück Arbeit sein, das Städtlein zu nehmen, das schon dazumal viele Leute gekostet.

Nachdem wir nun für den kommenden Tag alles bereitet, lagen wir abends um die Feuer und machten uns Mut für den kommenden Tag, wie es das gottlose Volk im Lager stets im Brauch hatte. Einer hatte ein Fäßlein Wein hereingebracht, schlug es auf, und nun ging’s ans Trinken und Bankettieren. „Sauft, Kameraden,“ schrie der Korporal, „zu guter Letzt! Denn in der Hölle ist’s heiß, und dahin wird morgen mancher seinen Marsch antreten, wenn die Bayrischen wieder ihr vermaledeites Schießen anfangen!“ Drauf stimmte einer das Lied an:

„Und wenn die Kugel geschossen ist,

Die mir mein’ Seel’ ausbläst,

Dann sag ich: bis zu dieser Frist