„Wozu?“ fragte der Roßbube. — „Nun,“ sagte ich, „daß ich’s dem verdammten Spitzbuben im Leibe umkehre, der mich ins Unglück gebracht und noch so jämmerlich traktiert hat!“

„Da bleibt nur liegen in Eurer Pfütze,“ sagte der Roßbube, „und laßt Euch morgen hängen! Seid Ihr des Teufels, daß Ihr noch einen Lärmen machen wollt? Besinnt Euch flugs, oder ich gehe allein.“

Wirklich willigte er nicht eher ein, mich zu befreien, bis ich geschworen hatte, mich stille mit davon zu machen, dann zerschnitt er die Stricke, und wir machten uns in den Wald, ohne daß einer erwacht oder die Schildwache unser gewahr worden wäre. Weil mir die Gegend wohl bekannt war, gelangten wir schon in einer halben Stunde in die Kitzinger Weinberge, wo wir den Tag zu erwarten beschlossen, da mir alle Glieder infolge der erlittenen Behandlung geschwollen waren, und das Gehen mich allzu sauer ankam. Hier gestand mir der Roßbube, daß er einen Teil der in der Amtskellerei geraubten Geldstücke dem Hauptmann mitgenommen, und bot mir auch davon an, — ich wollte von diesem Blutgelde nichts mein eigen nennen, freute mich aber, daß nun schon zum zweiten Male ein Bube durch den andern gestraft worden war.

Als es Tag geworden, meldeten wir uns bei dem schwedischen Wachtposten, und wurden vor den Gubernator gebracht, der ein leutseliger, freundlicher Mann war. Er fragte mich allerlei aus, und da ich mit der Muskete gut umgehen konnte und doch gern ein Reiter geworden wäre, nahm er mich unter sein eigen Regiment Dragoner auf, die nach schwedischem Brauch also ausgerüstet sind, daß sie zu Fuß und zu Roß gebraucht werden können, wie man denn dort das Sprichwort hat: „Wenn ein Dragoner vom Pferd fällt, steht ein Musketier wieder auf.“ Selbigen Tags noch mußte ich mit einem Kornet Reiter aufbrechen und gen Nürnberg ziehen, wo die Armee sich sammelte. Was aus dem Roßbuben geworden, kann ich nicht sagen.

Siebzehntes Kapitel.
Der Brief. (Fortsetzung.)

Morgenrot, Morgenrot,

Leuchtest mir zum frühen Tod!

Bald wird die Trompete blasen,

Dann muß ich mein Leben lassen,