Olufsohn sagte, ich, sein deutscher Kamerad, hätte wohl ebenso Leib und Leben gewagt, um sie wieder zu bekommen. Als aber der Oberst sich alles des Näheren hatte erzählen lassen, wie es zugegangen, sagte er zu mir: „Du bist ein rechtschaffener Soldat, mein Sohn, und sollst, wenn du fürder dich also beweisest, nicht lange Gemeiner bleiben: für diesmal aber war dir die Kriegsfortuna weniger gewogen als dem Olufsohn, und es muß sein Verbleiben haben bei dem, was ich gesagt!“

[2] Marodeurs.

Neunzehntes Kapitel.
Der Brief. (Fortsetzung.)

Kaum gedacht, kaum gedacht,

Ward der Lust ein End gemacht.

Altes Volkslied.

Nun fing ich an, mit Gott und der Welt zu hadern und immer tiefer in das wüste Leben hineinzugeraten. Hatte ich etwas, so lag ich tags damit auf dem Spielplatz und des Nachts an den Trinktischen der Marketender, so daß stets nach großem Überfluß wieder bitterer Mangel bei mir einkehrte. Bald war mir der Krieg verleidet, weil ich doch kein Glück dabei zu haben schien, bald stachelte mich wieder die Ehrbegierde wie ein scharfer Sporn, alles dran zu setzen, um endlich doch etwas Rechtes zu werden, und dann, mit Ruhm und Ehre gekrönt, mich wieder bei Euch sehen zu lassen. Bald ging ich allen meinen Kameraden in wüster Ausgelassenheit und Mutwillen voran, bald wieder war ich so schwermütig und eines finstern Geistes voll, daß ich jedwedem Menschen aus dem Wege ging. Olufsohn hat mir manchmal eine gute Vermahnung getan, aber ich schlug es alles in den Wind, und wo ich’s konnte, vermied ich seine Gesellschaft, obwohl ich eigentlich mein Herz nicht von ihm kehren konnte: denn das sah ich wohl, wie er allein ein redliches Gemüt gegen mich hatte, während die andern mir wohl freundlich und süß ins Angesicht redeten, hinterrücks aber mich verachteten und verkleinerten, und eher mir geschadet als genützt und geholfen hätten.

Da hat nun der himmlische Freund, der den Olufsohn als einen deutlichen Bußprediger mir an die Seite gesetzt, mich gleichwohl nicht fahren lassen, sondern mich noch einmal gedemütigt, und bereits zum dritten Male mir gezeigt, daß Unglück die Gottlosen verfolgt, wenn sie meinen, das Glück schon in Händen zu haben. Nachdem ich unter dem Kriegswesen schier durch ganz Deutschland hin und her gezogen und mein Regiment auch unter des Herzogs Bernhard von Weimar Oberkommando gekommen war, standen wir am 9. August 1638 bei dem Dörflein Wittenweyer im Breisgau den Kaiserlichen und Bayrischen unter des Grafen Johann von Götz und des Herzogs von Savelli Oberbefehl gegenüber. Tags zuvor, an einem Sonntag, hatten wir bei dem Dorf Friesenheim die kaiserliche Reiterwacht angesprengt, daß der Leutnant und acht Reiter gefangen, der Rest aber bis unter die kaiserliche Armee verfolgt ward, weswegen unsere Kompagnie, die solches ausgerichtet, von dem Herzog ein treffliches Lob davongetragen hatte.

Folgenden Tags ließ der Herzog in der Frühe den Gottesdienst und die Predigt abhalten, die tags zuvor wegen des Überfalls war eingestellt worden, dann durften wir ein wenig Speise zu uns nehmen und mußten aufsitzen. Unser Feldgeschrei war abermals „Gott mit uns;“ oder bei den Franzosen und den andern alliierten Nationen, welche das Deutsche nicht wohl aussprechen konnten, „Emmanuel!“ Die Götzischen und Savellischen aber riefen: „Ferdinandus!“