Ich konnte nicht aufstehen. Endlich trat ein kleines, etwa zehnjähriges Mägdlein herein, sah nach mir, und als es bemerkte, daß ich die Augen offen hatte, trat es heran und wünschte mir einen guten Morgen. Ich fragte, wo ich denn sei. — „In Wertheim im Armenleutehaus!“ erwiderte das Kind. „Gestern nacht hat Euch ein Bauer gebracht. Es hat die Pest hier in der Stadt regiert, und es ist alles im Hause gestorben; ich allein bin übrig geblieben und gehe den kranken Leuten zur Hand.“
„Wer bist du denn, mein gutes Kind?“ fragte ich. — „Ein Waisenkind! Mein Vater war Bauer droben auf des Grafen Hof, dann sind eines Tages die eisernen Männer gekommen, haben unser Haus abgebrannt und den Vater totgeschlagen, meine Mutter ist an der Pest gestorben und mich haben sie hierher getan.“
„Ach, da kannst du auch etwas erzählen,“ sagte ich, — „der Krieg bringt viel Unglück in der Leute Häuser.“
„Nein,“ sagte das Kind, „erzählen kann ich nichts, aber beten! Meine Mutter hat mich’s gelehrt — ich bete alle Tage! — Soll ich einmal beten?“ — „Ja, bete!“ sagte ich, und das Mägdlein faltete die Hände und hub an:
„Was mein Gott will, das g’scheh’ allzeit,
Sein Will’, der ist der beste;
Zu helfen den’n er ist bereit,
Die an ihn glauben feste.
Er hilft aus Not,
Der fromme Gott,