Horch, horch! ein wilder Ton schallt durch die Welt,
Nicht Fried, nicht Ruh, nicht Glück herrscht länger drin! —
Seit sie eingeritten in unseren Toren
Mit Schulterstück und rostigen Sporen,
Ist Aussaat und Arbeit so gut wie verloren!
Altenglische Ballade.
Eine Weile war es uns ein Anliegen gewesen, was aus unserem Sohne werden sollte, — doch waren wir darüber einig geworden. Freilich, mein Weib hatte schon bei des Knaben Geburt sich an dem Gedanken erfreut, ihre Erstgeburt, wie sie sagte, dem Herrn zu opfern, und hoffte den Tag noch zu erleben, wo er auf der Kanzel stehen und die Gemeine erbauen werde, aber — der Mensch denkt’s und Gott lenkt’s.
Es waren nämlich mittlerweile die Zeiten der Prüfung und der Heimsuchung über die evangelische Kirche gekommen, und auch bei uns, in Limpurgischen Landen, sah es bereits aus, als wenn der Leuchter des Evangeliums, nachdem er hundert Jahre hell gebrannt, wieder von seiner Stätte gestoßen werden sollte. In Markt-Einersheim, Possenheim und Hellmizheim hatte das Würzburger Domkapitel die evangelischen Kirchen geschlossen, und die Seelsorger hatten sich auf den Speckfeld geflüchtet, wo sie sonntäglich ihre Gemeinden unter großen Anfechtungen versammelten und ermahnten, um des Herrn willen das Unrecht zu ertragen, aber dabei fest zu beharren im wahren Glauben. Solcher Ermahnung bedurfte es, weil die Kirchgänger vom streifenden Volk abgefangen und mißhandelt, oder auf den Turm in Iphofen gesetzt wurden und zuletzt mit schwerem Gelde sich loskaufen mußten.
In solchen Zeiten sollen nur die das Hirtenamt führen, denen offenbar eine Berufung von dem Herrn dazu wird. Das sind die Zeiten, in denen der Wolf kommt. Wehe da der Herde, über die ein Mietling gesetzt ist, und wehe — dem Mietling! Einen gewissen Fingerzeig, daß Gott unsern Valentin in seinem Weinberg brauche, hatten wir nicht wahrgenommen, drum beschlossen wir kurz und gut, ihn zum Handwerk zu bestimmen.
Verachtest du den Handwerkerstand, lieber Leser? — Ich nicht! Wer hat’s so vor Augen, was alles er mit Gottes Hilfe zustand gebracht hat, als der Handwerker? Wer kann am Feierabend mit so voller Zuversicht sagen: „Mein Tagewerk ist getan, und habe nichts verkehrt angefangen, und nichts zu tun übrig gelassen?“ Drei Stücke gehören dazu: ein gesunder Leib, eine geschickte Hand und ein christlich Gemüt, daß einer sein Werk, wie groß oder gering es sei, im Glauben tue, als auch zu Gottes Ehren. Wo du diese drei Stücke bei einem Handwerksmann findest, glaube mir, lieber Leser, da hast du einen glücklichen Menschen gefunden.