Herr Poroßnoki gab seiner Unzufriedenheit auch in Worten Ausdruck: »Mehr ließ Se. Majestät nicht sagen?«

»Mehr nicht,« erwiderte der Kaimakam mit großem Phlegma. »Der Sultan war Euch gut gesinnt, aber er mußte sein Wort einlösen. Ihr selbst habt es doch gewünscht.«

»Könnte man nicht noch einmal zu ihm gelangen?«

»Das geht nicht.«

»Donnerwetter! Wir sind schön daran! Es wird zu Hause eine Freude geben.«

»Wenn dem so ist,« sagte der Oberrichter kalt, »dann fassen Sie diesen Kaftan an, Herr Kriston.«

Franz Kriston ergriff sehr zornig und unehrerbietig den mit einer Bärenhaut wattierten Mantel, so daß das eine Ende desselben die Erde kehrte, und schleppte ihn mit großem Lärm dem Oberrichter nach. Als er zu den Wagen gelangte, warf er ihn in eine Ecke wie einen Fetzen.

Herr Agoston war bereits verschwunden; der eine Kutscher konnte über ihn nur so viel Aufklärung geben, daß er sich im Wagen nach Waitzen führen ließ, wo er eine verheiratete Tochter hatte, er sprach wenig, denn seine Zähne klapperten sehr, aber so viel sagte er doch, daß er Kecskemét nie wieder sehen werde. Als man die Pferde gefüttert und getränkt hatte und die Unserigen sich auf den Heimweg begaben, dunkelte es bereits, der Rauch der Schornsteine vermischte sich mit dem Nebel, die Frösche quakten häßlich in den Pester Sümpfen (auf dem jetzigen Kettenbrückenplatze), die Priester schrien unausstehlich von den Ofner Minarets, während aus der Pester alten Burg die Eulen geisterhaft hervorhuschten. Nur weit, in irgend einem Dörfchen erklang eine weinerliche christliche Glocke. Der Nebel war rötlich-weiß, wie frisch gemolkene Milch, halb durchsichtig, so daß man spöttisch lachende kämpfende Drachen, gepanzerte Wundertiere, Gespenster in Laken hervorscheinen sah. Am Himmelsgewölbe breitete sich eine einzige dunkelblaue Wolke schwerfällig aus.

Als sie die Pester Häuser verlassen hatten und mit schwerer Not aus dem Sumpfe jenseits des Hatvaner Thores herauskamen, wo der Wagen Kristons beinahe in einer Linnenbleiche stecken geblieben wäre, rückte die Wolke mit einem Male fort und verschlang plötzlich den Mond, wie wenn ein großer Silberthaler in einem blauen Strumpf versinkt. Es ward etwas finsterer; eine feierliche, melancholische Stille kam über die schlafende Natur. Nur die Wagen knisterten in ihren Achsen und hie und da wurde ein Hahnenruf in den Pester Tanyen laut. Die Pferde zogen ungern weiter, die Kutscher fluchten und die Senatoren saßen in tiefe Gedanken versunken wortlos neben einander, nur zuweilen einige Worte austauschend. Und doch hätten sie auch ihre Gedanken austauschen können, denn diese waren die gleichen. Wenn der eine sagte: »Wie sollen wir zu Hause das große Nichts übergeben?« antwortete der andere, nachdem er in die Nacht hinein gestarrt hatte: »Ich wäre jetzt lieber ein Schäferhund, als ein Kecskeméter Senator.« Der dritte hob sein gebeugtes Haupt und setzte seufzend hinzu: »Für hundert Ochsen und fünfzig Pferde einen grünen Mantel – das ist ein guter Markt.« Damit wurden sie wieder schweigsam und starrten neuerdings in den weißen Nebel, aus welchem sich jene bizarren Gestalten abhoben. Mit einem Male trat aus einer dieser Nebelsäulen ein Gespenst hervor. Augenscheinlicher, wahrer als die anderen, es stellte sich den Pferden entgegen ... und sein Schatten bewegte sich auf der Straße. Die Pferde der Voranziehenden stutzten. Der Kutscher blickte auf. Ein weiche weibliche Stimme erklang: »Bleiben Sie stehen!«

Der katholische Inokai machte das Zeichen des Kreuzes: »Alle guten Geister loben den Herrn!«