Trotzdem kam bald darnach eine Ordre von Leopold I., daß die Kecskeméter Märkte von nun an zu sein aufgehört haben. Selbstverständlich wurden nun die Türken ebenso wütend wie die Kurutzen. »Diese elenden Philister berauben uns unseres Nebenerwerbes.« Sie hatten jetzt originelle Ideen. Am schwarzen Sonntag vor Ostern stürmte der berühmte Kurutzenführer Stefan Csuda mit seinen Truppen in die Stadt. Sie sprengten geradenwegs zum Stiftskloster. Hier befahl der Anführer seinen Leuten: »Nichts anrühren, Kinder, nur den Quardian müßt ihr gefangen nehmen, denn diesen werden sie auslösen.« Sie nahmen wirklich den Quardian, den dicken Pater Bruno, gefangen, setzten ihn auf ein Maultier, das bisher ein treuer Arbeiter des Klostergartens war, zumal es die Wasserfässer schleppte. Damit aber der fluchende, strampelnde Pater nicht vom Rücken des Buri falle (Buri hieß das Maultier), banden sie ihn mit Stricken und Riemen fest ... Sie hatten sich nicht verrechnet. Eine große Bestürzung griff Platz unter den katholischen Gläubigen. Die Witwe Paul Fábián, die bucklige Julie Galgóczi und die verwelkte Klara Bulki begannen unter dem Präsidium des Paters Litkei sofort das Lösegeld zu sammeln, indem sie von Haus zu Haus wanderten. »Lösen wir den armen Pater Bruno aus. Er hat eine prächtige Predigt zu den Osterfeiertagen einstudiert, diese können wir nicht ungesprochen lassen.« Hundert Goldstücke wurden gesammelt, mit diesen begaben sich die Erwählten der Frauen auf den Weg zum Kurutzenlager: Senator Gabriel Poroßnoki, Kurator Johann Babos und der Wagner, Herr Georg Doma.
Nach männiglichen Abenteuern und Mißgeschicken fanden sie endlich den Stefan Csuda, der sie wild anfuhr: »Ihr seid die Kecskeméter, nicht wahr? Nun, was wollt ihr?«
»Wir sind ihn holen gekommen,« sprach der fromme Babos, seine winzigen grauen Augen gegen den Himmel erhebend.
»Wen, den Maulesel oder den Quardian?« scherzte der gutgelaunte Stefan Csuda.
»Beide, wenn wir übereinkommen können,« meinte Herr Poroßnoki.
»Der Geistliche ist nicht viel wert, aber das Maultier können wir wohl brauchen. Es schleppt die große Trommel.«
Sehr wohl gefiel den guten Kecskemétern diese Erklärung des Kurutzen, denn wenn der Geistliche nicht viel wert ist, wird er wohl billig zu haben sein und sie nickten beifällig mit dem Kopfe.
»Also woran sind wir mit Sr. Hochwürden?«
»Ihr könnt ihn für drei Goldstücke haben.«
Die drei Männer schauten sich lächelnd an, wie wenn sie sagen wollten, »billig, wahrhaftig sehr billig!« Poroßnoki warf einen Flügel seines blauen Mantels zurück und griff in die Tasche, um die drei Goldstücke hervorzuholen. »Da sind sie! Nehmt sie, Herr!«