»Wenn aber ich hingehe und mich als Lestyák ausgebe und sie mich umbringen wollen, werden sie bemerken, daß ich eine Frau bin und den Frauen thun die Tartaren nichts zu Leide, dann können Sie mich auslösen; wenn sie mich aber nur gefangen mitnehmen, dann können Sie mich um so eher als Lestyák auslösen. Geben Sie also schnell den Mantel her.«
Und während sie noch dies mit einschmeichelnder, süßer Stimme sagte, hatte sie auch schon den Mantel herabgezogen.
Max Lestyák widersetzte sich:
»Nein, nein! Wo denkst du hin?«
Die Argumentation von Czinna hatte ihre Wirkung trotzdem nicht verfehlt.
»Es ist schon möglich, daß es so ist;« und er rieb sich die Stirne. »Ich löse dich aus, natürlich löse ich dich aus. Du sagst ja, du wärest mir noch ein Leben schuldig. Schweige, man muß das nicht so nehmen. Klügele nicht, Mädchen. Warte ein wenig. Ich weiß selbst nicht, was wir machen sollen.«
Das Mädchen aber blieb nicht stehen; sie hatte den Mantel bereits um ihre schlanke Gestalt geworfen, im nächsten Augenblick schwang sie sich auf das Pferd. Einen Augenblick später hatte sie bereits der Nebel verschlungen, Lestyák lief ihr wütend nach.
»Bleibe stehen!« schrie er mit donnernder Stimme. »Ich laß' dich nicht fort. Ich befehle dir, stehen zu bleiben!«
Er konnte schon reden, der Gute. Ein schwacher Augenblick und der Fehler war begangen. Ein Augenblick der Schwäche ist der Kern des Sturzes großer Männer. Das Mädchen ging und blieb erst beim Tartaren-Lager stehen.
»Führet mich vor den Feldherrn. Ich bin Max Lestyák, der Kecskeméter Abgesandte.«