Olaj Beg hob seine schläfrigen Schafaugen gegen den Himmel, dann wendete er sich zu den Truppen und schrie laut:
»Wir ziehen ab! Sattelt!«
Siebentes Kapitel.
Lestyák blieb bei der Schilfmauer und zerbrach sich den Kopf darüber, was er beginnen, wohin er sich wenden sollte. In seinem schweren Kopfe zerflossen die Gedanken wie geschmolzenes Blei, seine Glieder nahm eine Schlaffheit gefangen, an seiner Seele nagte die Selbstanklage: »Ich habe schlecht gehandelt, es war eine egoistische Feigheit.« Eine peinigende Unruhe stach ihn wie mit Dornen.
Düster blickte er vor sich hin.
»Wohin führt mich nun mein Weg ...?
Der Nebel zerteilte sich ein wenig und unweit erglänzte das Riesenauge des Sees Csalános, wie wenn er ihm zwinkernd zugerufen hätte: »Komm, Lestyák, es wird am vernünftigsten sein, wenn du dich hierher legst, dich mit einer silbernen Decke zudeckst und auf einem weichen Sandpolster träumst!... Dies ist der geradeste Weg.«
Einige Schritte machte er gegen den Teich, aber ein Strauch stellte sich ihm in den Weg, der höchste in der ganzen Gegend; die dünnen Äste hatten die kleinen Schneeflocken überdeckt: er bemerkte sie nicht und stolperte über dieselben. Und als sein Ohr in diesem bitteren Augenblicke den Körper der »lieben Mutter« berührte, da hörte er, fühlte er plötzlich, daß derselbe weit weg erbebte, der dumpfe Schall von tausend Pferdehufen war vernehmbar. Er schauerte zusammen. »Ach, es kommen die Tartaren gegen die Stadt.«
Doch ruhiger ward es, wie wenn der Lärm sich verzöge, er wurde immer leiser und leiser, bald aber ging er ganz unter. Nur ein Pferd näherte sich. Top! Top! Ja, wahrlich, es ist nur ein Pferd, und bei Gott die Czinna sitzt darauf. Lestyák sprang in die Höhe, er wischte gar nicht den Schmutz von seinen Kleidern, er lief ihr atemlos entgegen.
»Du bist hier? Es fehlt dir nichts? Du bist wirklich hier? Was geschah?«