»Hier reden wir wohl vergebens,« rief Herr Permete achselzuckend und einen guten Abend wünschend zog er auch die anderen aus dem Zimmer.
Unterwegs streuten die Herren in drei Richtungen den Roman der Czinna aus.
Es tagten auch heute überall die Klatschbasen.
»Sie hat einen Zauber an ihm verübt, sie hat ihm etwas ins Getränk gemischt, anders ist es unbegreiflich. Es ist entsetzlich, wie fürchterlich so ein kluger Mann straucheln kann.«
Besser noch als den Klatschbasen gefiel die Geschichte dem Balázs Putnoki. Noch in derselben Nacht machte er sich auf den Weg zum Ofner Pascha, um diesem anzuzeigen, daß das Zigeunermädchen lebe. Max Lestyák halte sie verborgen und wolle sie zur Frau nehmen. Er kam aber beim Ofner Pascha merkwürdig an, wie es sich später herausstellte. Dieser hörte ihn an und fragte ihn dann mit gerunzelter Stirn:
»Du behauptest also, daß sie lebt?« – »Jawohl sie lebt.« Der Pascha winkte die Leibgarde herbei. »Führet den Mann hinaus, laßt ihm fünfzig Stockhiebe auf die Fußsohlen geben und bringet ihn dann wieder herein.« Als sie ihn zurückbrachten, frug Ibrahim überaus liebenswürdig: »Nun, lebt das Mädchen noch immer?« – »Bewahre, sie lebt nicht mehr, gnadenreicher Pascha.« Ibrahim rieb sich vergnügt die Hände. »Lerne es, du Mann, daß eine Person, von der ich dem Sultan einmal referierte, daß sie nicht lebt, zum mindesten sechs Fuß tief unter der Erde liegt.«
So erging es dem verräterischen Putnoki, aber ein Glück wie dasjenige Max Lestyáks gehört auch zu den Seltenheiten. In herrlichstem Glanze schien die Sonne auf ihn hernieder. Seine Macht wuchs von Tag zu Tag, sein Ansehen festigte sich auch nach außen.
Kecskemét begann eine große Rolle zu spielen. Der Mantel war ein ganzes Heer wert, das den Feind zügelte. Ein Heer, das keiner Montur, keiner Munition bedurfte, dem nichts schaden konnte, höchstens die Motten.
Die Kecskeméter fürchteten keinen Feind mehr. Im Gegenteil, sie warteten mit vielem Vergnügen auf den Augenblick, wo eine herumstreifende Türkenschaar mit ihnen anknüpfe. Es war dies immer ein großes Amüsement für das Volk. Der Oberrichter zog zu solch' einer Zeit mit dem Rappen der Stadt hinaus, vier Haiducken[16] ritten vor ihm, vier hinter ihm, die Männer, Frauen, Kinder, gar oft die ganze Stadt kamen mit, um den berauschenden Anblick zu genießen, wie die türkischen Führer zum Mantelkusse sich neigten und wie sie den Oberrichter demütig fragten:
»Mein Herr, was befiehlst du?«