Ganze Legenden schwirrten im Lande von dem Zauberkaftan, mit allerlei bunten Anhängseln verziert. – Bald hieß es, daß derselbe in Zeiten der Gefahr spreche und dem Richter Rat erteile, dann erzählte man, daß der Kranke, der ihn berührt, gesundet, die Witwe oder Jungfrau, die ihn küßt, heiratet. Die Klügeren behaupteten, daß der Kaftan kein besonderes Wunder Gottes sei, sondern daß seine ganze Kraft darin bestehe, daß mit der Unterschrift des Sultans der Satz hineingestickt sei: »Gehorchet dem Träger des Mantels.« Herr Michael Lestyák selbst, der das weltberühmte Kleidungsstück fachmännisch betrachtete, meinte verächtlich:
»Daran ist nichts Besonderes. Auch ich nähe einen solchen, wenn ich Lust dazu habe.«
Die Wunderkraft des Kaftans warf ein magisches Licht auf die Person. Max kleidete sich in das farbenprächtige Kleid der Legenden. An schönen Abenden erzählte man von ihm in den Hütten in einer Entfernung von Hunderten von Meilen. Weit unter Szegedin, während der Kahn des Fischers mit leisem Plätschern die Wellen durchschneidet, träumt er selbst: »Was mag wohl der Kecskeméter Oberrichter machen?«
Er ißt goldenen Speck zur Jause mit einem Karfunkelmesser. Der sprechende Kaftan sagte seinem Feind nicht nur: »Hebt Euch weg von Kecskemét,« sondern er sagte auch dem guten Freunde und den glänzenden Kremnitzer Dukaten: »Kommt her nach Kecskemét.« Reiche Leute, edle Herren kamen mit ihren Schätzen hierher, um in der sichersten Stadt zu wohnen; die Eltern sandten am liebsten ihre Kinder dahin, damals erschienen in den Straßen Kecskeméts das erstemal die verschiedenen Studententypen, die seitdem dort bestehen; die Schule blühte, die Bewohner bereicherten sich märchenhaft rasch.
Freilich hat alles seine schlechten Seiten. Der Mantel zeugte das viele Geld, das viele Geld zeugte die vielen Pustenbetyáren und Räuber, die immer wieder Einfälle in das Kecskeméter Gebiet wagten. Jedoch auch jedes schlechte Ding hat seine guten Seiten, der Betyáren wegen verkündete man das Standrecht und da das Komitat sich nicht frei bewegen konnte, wurde das Recht des Blutbannes provisorisch auf den Kecskeméter Magistrat übertragen. Noch ein Haar und Kecskemét wird königliche Freistadt.
Achtes Kapitel.
Max Lestyák war Herr über Leben und Tod, und damit sein Ansehen noch wachse, sandte ihm der König den Adel mit dem Prädikate »Von Kecskemét«. Ein Ritter mit einem Kaftan bekleidet, stand auf dem Wappen in silbernem Felde. In der anderen Hälfte des Schildes war auf drei goldenen Kissen ein sich bäumender Fuchs. (Se. Majestät hat dies gut ausgedacht.) Nur noch eines fehlte zur vollen Glückseligkeit: die Hochzeit mit Czinna.
Und auch dieser stand nichts mehr im Wege. Der alte Lestyák hatte sich mit dem Gedanken schon lange befreundet, das kleine Ding wußte ihm alles zu Gefallen zu thun, und wenn sie ihm das Kinn kraute, glaubte er sich ins Himmelreich versetzt. Sie wurde aber auch immer schöner, sie bekam runde Formen und ihr Gesicht war wie der Pfirsich, dessen Blutfarbe selbst die zarte Hülle durchschlägt. Niemand kam ihr gleich in Kumanien. Sie wurde der Liebling, die Vertraute des Alten, er nannte sie »Tochter«, »Schwiegertochter« und redete nun selbst seinem Sohn zu, sich zu beeilen, da er bei Gott sie sonst selbst heirate.
Max tobte vor Ungeduld, wenn das kleinste Hindernis sich offenbarte; wenn aber kein Hindernis war, nahm er die Sache leicht.
Der erste Termin war für den Tag angesetzt, wo er den Ferman des Ofner Pascha erwirkt, denn ohne diesen geht es denn doch nicht, obgleich der Vogel auch dann sein Haus baut, wenn er auch befürchtet, daß grausame Hände es zerstören. Der Ferman kam selbst: er war auf die Sohlen Putnokis geschrieben. Es ist gewiß, daß der Pascha das Mädchen wohl nie mehr behelligt.