Ach, wie blutete das Herz Czinnas. Auf der kleinen Holzbank unter dem Birnbaum, wo sie an schönen Sommerabenden so oft flüsterten, wo Czinna so glücklich war, saß Max jetzt selten, oft blieb er Wochen hindurch in den Kastellen, und wenn er auch kam und ihr einige schöne Worte sagte, der Schluß war immer:

»Gieb nur auf deine Worte acht, Czinna, mein Täubchen, sprich nie von jenem Tage, du weißt ja, welchen ich meine, sage nie, daß du dort warst ... vor Olaj Beg, denn sonst bin ich verloren.«

Czinna war es, als wenn man ihr ein Messer ins Herz stieße. Es tauchte in ihr der Verdacht auf, daß sich Max vor ihr fürchte, aber sie nicht liebe; er kettet sie mit dem Brautring nur deswegen an sich, daß er sich ihres Schweigens versichere. Von Tag zu Tag wurde sie trauriger, die roten Rosen verschwanden vom Gesichte, in den Augen fehlte der entzückende Glanz, eine sanfte Melancholie war an seine Stelle getreten.

Schön war sie trotzdem. Der alte Lestyák erschrak; er glaubte, daß sie krank sei, er hatte auch den Grund ihrer Krankheit herausgefunden.

»Kränke dich nicht, trauere nicht, meine kleine Resedablüte. Er liebt dich und glaube mir, wenn ich es sage, er möchte dich auch schon morgen zum Traualtare führen, wenn er nur Geld hätte. Was er aber hat, verspielt er mit den Fáys und Beniczkys. Ich kenne ihn, den Max, er ist voller Dummheiten, aber sein Herz ist gut. Freilich könntet ihr auch bei mir leben, wenn auch ärmlich, du weißt aber, wie verrückt er ist, wenn er den Herrn spielen will; er ißt nicht einmal die Erdbeeren, wenn er sie nicht auf einem silbernen Teller bekommt. Und gerade jetzt leidet er an dieser Krankheit. Lassen wir ihn, bis er seinen Wappenfuchs satt bekommt. Entweder der Fuchs frißt ihn oder er den Fuchs. Im allgemeinen fressen diese Wappentiere sehr viel, meine liebe Czinna.«

Czinna seufzte bei solchen Reden; das schöne Wort war kein Balsam auf ihre Wunde.

»Seufze nicht, lächle doch ein wenig, wie ehedem. Wenn ich reden dürfte, könnte ich dir wohl etwas sagen, daß du Lust zum Tanzen bekämst.«

Geheimnisvoll zwinkerte er mit den Augen und murmelnd mahnte er sich: »Pst, laß deinem Mund nicht freien Lauf, Alter!«

Was dieses geheimnisvolle Ding sein mochte, konnte sich Czinna nicht recht vorstellen. Alles in allem war ihr bloß ein Umstand aufgefallen. Seit einigen Tagen kamen zwei Herren zu Lestyák; spät am Abend kamen sie, lange flüsterten sie mit einander, indem sie sich in die Hinterstube einsperrten, nie erwähnte aber der Alte, was sie wollten, sondern schweigend und zugeknöpft ging er unter den Seinigen herum.

Endlich eines Abends nahm er den Kopf Czinnas in die Hände und wühlte in ihrem dichten schwarzen Haar herum. Es war dies eine seiner Lieblingsbeschäftigungen.