Das war aber keine geringe Aufgabe. Alle Abende holte er heimlich unter seinem Oberkleide den Kaftan, um diesen am Morgen auf die gleiche Weise an seinen Platz zurückzuschmuggeln. In die Stube des Oberrichters hatte er freien Zutritt; darum fiel es auch niemandem auf, daß er so oft kam und ging. Vielleicht hatte ihn der Oberrichter nach etwas gesandt?

Vom Abend bis zum frühen Morgen arbeitete er, eingeschlossen in seiner hintersten Stube, mit der Inspiration und der Leidenschaft eines Künstlers. Zuweilen erweckte er Czinna aus ihrem nächtigen Schlafe, um ihr die einzelnen Stücke zu zeigen, die allmählich die Formen des herrlichen Originals anzunehmen begannen. Seine Augen flammten, seine Stirn glühte, seine Nüstern bebten und die Stimme zitterte vor freudigem Hochmut:

»Schau, hier diese Ärmel, den Kragen, schau!«

Und erst als nach vierzehn Tagen die Kaftankopie bis zum letzten Stiche fertig ward, da füllte sich ihm das Herz mit süßen Empfindungen:

»Kann es ein herrlicheres Werk auf der weiten Erde geben?«

Es war eben Nachtzeit. Die Hähne krähten. Der Schneider blickte zum Fenster hinaus. Für Mitternacht hatte er seine Leute hinbestellt und die lauerten jetzt in der Umgebung, bis er den Kaftan fertigstellen würde. Der Hofhund Bodri fing an, das Gekrähe mit seinem Gekläffe zu beantworten: Aha, der wittert Menschen. Und in der That, sie kamen. Der Schneider ließ sie ein.

»Blicket hin!«

Ein Ausruf der Bewunderung entrang sich ihren Lippen. Auf dem Bett lagen zwei goldige Kaftans ausgebreitet, und die waren einander so gleich, wie zwei Eier oder zwei Weizenkörner.

»Und was meint ihr dazu?« fragte der Meister.

Der Eine sprach: